Helmut und Schnipsi – Eine Liebesgeschichte

In Anlehnung an den Titel eines bayuwarischen Paares im TV berichte ich heute wahrheitsgemäß von meinem Kurzaufenthalt im medizinischen Sektor.

Wie angekündigt war es mit vergönnt, ein weiteres Mal das Augencentrum Rosenheim aufsuchen zu dürfen.

Termin war um 11 Uhr. Wie von mir gewohnt bin ich bereits um 10.51 am Tresen des Etablissments vorstellig geworden, so mir einen Startvorteil bei zeitgleichen Konkurrenten verschaffend.

Ich wurde noch selbst mich schleppend in den hintersten Wartebereich verfrachtet, wo sich allerlei unglücklich dreinschauendes Publikum ebenfalls einfand. Den Altersdurchschnitt des Bereichs habe ich wesentlich gesenkt.

Als ich dann per Schallglocke einen Ausruf eines entfernt nach meinem Namen klingenden Tons vernahm, verhielt ich mich zunächst passiv. Mir dämmerte jedoch, als sich keiner der Gäste auf die Maid zubewegte, dass mein verstümmelt arktikulierter Name doch wohl mir als Kundschaft galt. Natürlich habe ich das erstmal alles richtiggestellt inkl. der Erzählung wie es bei unserem Namen zu dem Doppel-S kam. So ein Eisbrecher (quasi ein verbaler Pinoccio Becher) zum Einstieg wirkt Wunder und lockert erstmal die ganze Situation ungemein auf. Allerdings wurde ich unwirsch unterbrochen, als ich noch eine Episode von Ernst Eiswürfel und Susi Drall nachschieben wollte.

Mir fiel sofort auf, dass die Tür nicht ganz geschlossen wurde. Scheinbar gelte ich in medizinischen Fachkreisen als Ärztehelferinnenschreck und bin gebrandmarkt.

Ich wurde dann auf einen breiten Komfortledersessel katapultiert, dessen elektronische Verstellmöglichkeiten sämtlichst mitsamt Besatzer per Fernsteuerung durchdekliniert wurde. Bei dem optionalen Looping legte ich jedoch mein Veto ein.

Der nächste Schritt umfasste dann eine Art katholischen Ritus, so eine Art Besprenkelung mit Weihwasser o.ä. Diesem Ritual verweigerte ich mich zunächst zweimalig standhaft dahingehend, dass ich mir diese Sosse nicht ins Äuglein träufeln lassen wollte. Nun, mann kann nicht alles wissen, auch nicht wenn mann wie Max-Stramm auf die 70 zugeht. Das Auge muss geöffnet sein um da ein Süpplein hineinschwappen zu lassen. Im Anschluss wurde ich alleine für mich so hin trällernd allein gelassen. Weil das ganze sich zog (Grund waren wohl andere widerspenstige Patienten, die die Ärztin in Beschlag hielten), wurde sicherheitshalber noch ein halber Becher in den Irissee nachgekippt.

Nachdem ich in halber Schlafposition so aber nicht zur Mittagsruhe kam (der Schallpegel von draußen war zu hoch), kam die sehr freundliche Iris-Maid ein weiteres Mal in mein Gemach. Dieses Mal wurde mir eine Tube Jod offeriert, die großzügig um das eine linke Äuglein geschmiert wurde. Das wurde zweimalig durchgeführt. Alles jod würde der Kölsche jung sagen.

Nun durfte ich ein weiteres Mal alleingelassen versuchen in den Schlummermodus zu gelangen. Es Miss-Lang.

Mit meinem nun vorhandenen Piratenauge war ich partiell entstellt und niemand schien sich mehr für mich zu interessieren. Wobei ich anmerken muss, nicht alles was dort rumschlawenzelt ist gänzlich unattraktiv. So für die Epigonen ist Tagebuch geklöppelt, falls jemand Tinder ersetzen will.

Als ich schon glaubte es ginge endlich zwischen mir und der Ärztin zur Sache, kam es zu einem Augus-Interruptus.

Es wurde festgestellt, ich sei nicht aufgeklärt worden. Das führte nun zu einer semi-länglichen Diskussion um welche Aufklärung es hier überhaupt ginge: die aus früheren Jahrhunderten, die aus den70/ 80er Jahren oder eine ganz ganz andere. Als das final geklärt war wurde ich brüsk von meinem Komfortstühlchen geschubst und musste in ein anderes Stübchen umziehen. Dort erwartete mich eine Frau Doktor, die mich über alles nicht fortplanzungsrelevante aufklärte. Kinderwünsche wurde von keiner Seite tiefergehend erörtert. Auf einem neumodischen Tablet musste ich unterschreiben, dass ich während der OP die Patscherchen still halten würde, ansonsten hätte ich fixiert werden müssen. Irgendjemand scheint herausbekommen zu haben, dass ich bei Benny Hill 1973 in die Schule ging.

So ging es zurück in den medizinischen Kleinraum-OP-Saal. Saal ist aber wirklich zu raumhoch gegriffen. Die Jod-Trill-S11 Prozedur musste jetzt natürlich nochmals durchlaufen werden bzw. durchlegen. Ab jetzt waren die Damen jedoch zu zweit und eine der beiden blockierte die Fluchttür und mein Schicksal war ab da besiegelt. Irgendein Akkugerät wurde mit einem metallischen Plumps vermutlich in diese legendäre Nierenschale geworfen, was mir irgendwie Angst und Eindruck gleichzeitig machte. Kleinere Witze der Damenriege über meine Nasenlänge überhörte ich bewusst und lies mich dadurch nicht provozieren. Es gab dann einen Piks seitlich vom Auge der 2 Sekunden umfasste (vermutlich war es deutlich weniger als eine halbe Mass an Schlaftrunk (offiziell: Narkotikum), was mir reingejuchzt wurde). Es galt mich nun mit einer art medizinischer Kittelschürze so abzukleben, dass der eine Feldstecher OP-bereit war. Das gelang. Dann ging Frau Doktor ans kerratoische Innenleben. Das war dann allerdings so flux abgesäbelt, das daraus niemals ein ganzer Spielfilm gedreht werden könnte. Es blutete noch ein bisschen was fachfraulich abgetupft wurde. Eine Grundreinigung der Jodpiraterie schloss den Vorgang ab, eine Erweiterung auf Gesichtsmassage stand nicht im Leistungskatalog eines Kassenpatienten. Thai-jeijei.

Frau Doktor meinte es anscheinend gut mit mir, denn auf der papierenen Krankschreibung (keine Ahnung warum das nicht elektronisch neumodisch ging) stand, als ich zu Hause den Bogen checkte, eine 2-tägige Ruhepause. Vorher war ich immer von dem einen Tag ausgegangen. Eine Salbe Ofloxacin gab es als Rezept noch obendrauf (3x täglich 3 Tage lang).

Um 12.07 Uhr verlies ich den erststöckeligen Sitzungsbereich des ophtalmolorischen Labyrinths und lies mich per Buskutsche gen Heimatfront retournieren um mich sodann sofort dort angekommen ins heimische Feldbett plumpsen zu lassen.