Wieder einmal ein ganz hervorragender Artikel von Christian Stöcker, ein Must Read. Auszüge:
„Stellen Sie sich vor, Sie leiden an einer schwerwiegenden, fortschreitenden Krankheit, die Ihnen im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte immer größere Schmerzen und zunehmende Einschränkungen bescheren wird. Ärzte haben Ihnen ein Medikament verschrieben. Es scheint nun erste Wirkung zu zeigen: Die Schmerzen nehmen nicht mehr ganz so schnell zu wie vorher. Was wäre Ihre Reaktion? Würden Sie das Medikament schnellstens absetzen?
Das ist leider nicht beruhigend, da sind sich die Fachleute einig : Wir steuern weiterhin auf eine Welt zu, in der es mehr als drei Grad heißer werden könnte als noch vor 200 Jahren. Und es ist schon jetzt heißer als in der gesamten Menschheitsgeschichte. Im Pariser Klimaabkommen stehen bekanntlich ein weiches 1,5- und ein hartes 2-Grad-Ziel. Aus gutem Grund: Schon bei zwei Grad Erhitzung werden beispielsweise die Warmwasserkorallen des Planeten vermutlich flächendeckend absterben. Was das für marine Ökosysteme und damit die Nahrungsmittelversorgung wesentlicher Teile der Menschheit bedeutet, wird von der »Alles nicht so schlimm«-Fraktion stets ausgeblendet. Um nur ein Beispiel zu nennen.
Diverse Publikationen, darunter natürlich auch Springers »Bild«, fügten einen weiteren Spin hinzu: Das Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts müsse »neu bewertet« werden. Die »Initiative Zukunft Wirtschaft« schwadronierte, unter Verweis auf »Bild«, von »Alarmismus« und »politischer Steuerung durch Angst«.
Fakt ist: RCP8.5 war niemals eine »Prognose«, sondern eben ein Szenario: »Was wäre, wenn einfach alle so weitermachten?« Die reale wirtschaftliche und klimapolitische Entwicklung hat dieses Szenario mittlerweile obsolet gemacht. Das kam weder »plötzlich« noch überraschend, und es stellt leider auch absolut keine Entwarnung dar.
Wir steuern weiterhin auf eine apokalyptisch heiße Welt mit kollabierenden Ökosystemen, Hungersnöten, Dürren, Meeresspiegelanstieg, immer schlimmeren Extremwetterkatastrophen, Hitzewellen, millionenfachen Fluchtbewegungen und so weiter zu. »Die Fortsetzung aktueller Politik wird zu einem katastrophalen Temperaturanstieg von bis zu 3,1 Grad Celsius führen«, konstatierte die Uno im Jahr 2024. Selbst, wenn aktuell gefasste, aber noch nicht in die Tat umgesetzte Pläne endlich griffen, würden wir demnach weiterhin auf 2,6 bis 2,8 Grad Erhitzung zusteuern. Das wird verheerende Folgen haben. Wir sehen ihre Vorboten längst. Fragen Sie mal einen Landwirt in Brandenburg .
Was Kristina Schröder im Endeffekt fordert, ist, das 2-Grad-Ziel aufzugeben, begründet mit der Erwartung, dass die Menschheit die Erde vermutlich nicht um fünf Grad oder mehr aufheizen wird. An den guten Gründen für das 2-Grad-Ziel hat sich aber rein gar nichts geändert. Es geht hier offensichtlich um politische Schützenhilfe für fossile Geschäftsmodelle, sonst nichts.
Die Kampagne zeigt aber, wie fossile Desinformation bis heute funktioniert: Ein Knotenpunkt der strategischen Kommunikationskampagnen der Fossilbranchen platziert ein (absurdes) Narrativ – und rechte US-Medien, bekannte Klimawandelleugner, rechtsradikale Medien und am Ende auch der deutsche Springer-Verlag und nach rechts zerrende Kräfte in der Union stimmen in den Chor ein. Immer nach dem Motto: Irgendwas bleibt immer hängen.„
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