Alles Gutt

Alles „Gutte“ für die Zukunft möchte man ihm verbal nachwerfen, dann wenn er endlich sein Köfferchen verdientermaßen gepackt hätte.

„Was ist das überhaupt für eine Vorgehensweise?!
Ich schau mal, ob ich mit Plagiaten in meiner Doktorarbeit durchkomme. Wenns auffliegt, geb ich halt den Doktor zurück und tue so, als sei nix gewesen… wenn es nicht auffällt, hab ich alle schön veräppelt, lach mir ins Fäustchen und habe meinen Doktor in der Tasche…

Das gibt’s doch gar nicht!
Das ist wie bei Steuersündern: ich versuche es einfach mal mit dem Hinterziehen. Wenn ich auffliege, zahle ich halt nach, wenn nicht hab ich Glück gehabt.

Für mich ist das vorsätzliche (nicht fahrlässige) Täuschung und bei vielen anderen Delikten gibt es für Vorsatz strafrechtliche Konsequenzen.
So sollte es auch hier sein.
Von den „Großkopferten“ lassen es viel zu viele „einfach Mal drauf ankommen“, weil sie unterm Strich damit für sich immer noch besser fahren, als das Risiko und die Konsequenzen zu scheuen und sich korrekt zu verhalten.

Ich bin auch persönlich enttäuscht, weil KTzG für mich auch ein Hoffnungsträger *war*, der bei mir jetzt aber völlig unten durch ist.

Wenn er ein reines Gewissen hat, hätte er den Titel nicht abgeben sollen. So ist es nicht nur blamabel und inkonsequent, sondern auch in hohem Maße betrügerisch.

Und das sollte geahndet werden….“

„Guttenberg hat, absichtsvoll oder aus Schlamperei, geistiges Eigentum gestohlen und seine Universität getäuscht, als er ehrenwörtlich erklärt hat, keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel verwandt zu haben. Um Minister zu bleiben, hilft da nur ein Trick: Das Gegenteil von Klartext sprechen. Seit Tagen liefert Guttenberg ein beschämendes Schauspiel, wie man Moral verbiegen und Begriffe umdeuten kann. Wo Täuschung vorliegt, redet der Minister von „gravierenden handwerklichen Fehlern“. Er stellt sich der „Öffentlichkeit“, die in Wahrheit ein Heimspiel in Kelkheim ist, nachdem er sich vor der verächtlich gemachten „Hauptstadtpresse“, der er auskunftspflichtig ist, feige verdrückt hat.“


„Die Frage lautet nicht, wie der Lügenbaron aus der Nummer herauskommt – sondern: wie wenden wir den Schaden ab, den die Demolratie genommen hat? Dazu einige Überlegungen. Man stelle sich vor, die Kassiererin „Emely“ hätte die Pfandbons – falls sie diese geklaut hat – mit der Bemerkung „das war Blödsinn“ zurückgegeben. Was wäre passiert? Ich wette, „Emely“ hätte trotzdem durch die Instanzen klagen müssen, um wieder auf ihren Arbeitsplatz zu gelangen!

Inzwischen halte ich die Realsatire um die Zitatensammlung des Autorenkollektivs des Plagiat-Barons für weit bedeutender als vorangegangene Politskandale.
Aktuell bestaunen wir: ein Mann, der in seinem bisherigen Leben noch nicht durch herausragende Leistungen aufgefallen ist, lässt sich von Friede Springer und Liz Mohn hochjazzen. Wenn in diesen Tagen selbst die FAZ anmerkt, „Bildung habe für den Adel nie die überragende Rolle gespielt, die sie für das Bürgertum hatte“ und an „Guttenberg lässt sich das gut erkennen“; um aber trotzdem „den Anforderungen der bürgerlichen Leistungsgesellschaft zu genügen (…) bläßt er gerne sein Curriculum Vitae auf“ (FAZnet vom 19. 2. 2011 „Die Studierstube ist seine Bühne nicht“), darf man wohl ungestraft behaupten, hier ist ein Teil der Bevölkerung einem Blender auf den Leim gegangen. So etwas kann passieren. Die Chance, nachzujustieren haben jetzt alle. Dass aber Seehofer, Merkel und ihre Getreuen einen Blender in den politischen Ring lassen, zeigt überdeutlich, wie verwahrlost die politischen Sitten in diesem Land sind.

Seit gut zehn Tagen wird so getan wir, als habe das eine – gefakte Doktorarbeit – nichts mit dem anderen – politisches Amt – zu tun. Das zeigt, wie perfide diese Verwahrlosung salonfähig gemacht werden soll. Durch die vorgenommene Persönlichkeitsspaltung wurde dem Lügenbaron erst ermöglichst, den erschwindelten Doktortitel in die Tonne zu kloppen. Und er behält sein Amt. Da geht es doch auf jedem Basar ehrlicher zu!

Mehr noch: hier werden die von den Konservativen postulierten Werte Gesetzestreue, Redlichkeit, Glaubwürdigkeit, Wahrhaftigkeit und Verantwortung mit Springerstiefeln getreten.

Diejenigen die den Baron für einen herausragenden Politiker halten, müssen sich fragen lassen, wie verführbar sie sind. „Den es bleibt eine Frage an jeden Einzelnen: Wie verführbar bin ich, durch Versprechungen, Großspurigkeit (…) und nicht zuletzt – und vielleicht vor allem – durch materiellen Gewinn“ fragte der in Berlin erscheinende Tagesspiegel (15. 10. 2010) anlässlich einer bemerkenswerten Ausstellung im Historischen Museum. Um es ganz klar zu sagen: ich ziehe hier keine konkludenten Schlüsse zu einem düsteren Kapitel deutscher Geschichte und grabe auch keine Vergleichskeule aus. Es geht um Verführbarkeit. Die Sarrazin-Debatte zeigt: ein Teil des Volkes ist für „vereinfachte Erklärungen“ empfänglich. Ebenso lässt sich dieser Teil des Volkes von vermeintlichen Lichtgestalten gerne blenden – als verführen. Ich suche nach Antworten, warum das so ist.

Als Resümee steht für mich fest, dass unsere Demokratie großen Schaden genommen hat und dass sich wieder ein paar Menschen mehr von den Politikern abwenden. Ein Land, in dem 40 Prozent der Menschen nicht mehr zur Wahl gehen, ist in keinem guten Zustand. In diesem Augenblick kämpfen Menschen in anderen Teilen dieser Welt für mehr politische Teilhabe.“

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