Zur genannten Thematik „Wissenschaft und Glaube“ habe ich einige interessante Artikel gelesen, die ich auszugsweise hier einstelle.
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Diese Mythen bringen die Erfahrung von Menschen zum Ausdruck, dass die Erde und die Menschen in einem ihnen entzogenen Grunde wurzeln, den sie Gott nennen. Im Christentum kommt es zu dieser Gewissheit durch die Begegnung von Menschen mit dem Dasein Jesu Christi. Diese Begegnung löst das Vertrauen dazu aus, dass Gott die Erde und die Menschheit gründet, trägt und bejaht. Ob dieses Vertrauen begründet ist, stellt eine Frage für sich dar. Darüber befindet sich die wissenschaftliche Theologie heute im Gespräch mit der Philosophie.
Die Erforschung der Naturgesetzlichkeit aber kann weder begründen noch widerlegen, ob jenes Vertrauen zu einem Schöpfergott gerechtfertigt ist. Sie hat keinen Zugriff auf den geschichtlich begegnenden Schöpfergeist, aus dem heraus dieses Vertrauen entsteht. Alle Etappen der Evolution des Universums und des Lebens sind für sie mit Recht naturgesetzliche Etappen und keine göttlichen Akte. Der christliche Glaube begrüßt das. Denn Alles, was uns die Wissenschaft erschließt, ist eine große Bereicherung nicht nur unserer Kenntnis, sondern auch unseres Wirklichkeitsempfindens auf dieser Erde. …“
„…Glaube und Wissenschaft gäben aus unterschiedlichen Blickwinkeln Aufschluss über die Welt. Der vermeintliche Widerspruch werde auch durch viele Wissenschaftler in Geschichte und Gegenwart aufgehoben, die Glauben und Forschen in ihrer Person vereinen. Das würde sogar ein Atheist wie der berühmte Evolutionsforscher Stephen J. Gould zugeben. „Er hat einmal sinngemäß gesagt: Wenn es stimmen würde, dass Glaube und Wissenschaft nicht vereinbar sind, dann müsste die Hälfte meiner Kollegen schizophren oder dumm sein. Aber, so Gould weiter: Ich nehme sie als ganz normale, vernünftige Menschen wahr.“
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Wichtig ist Eisenschmidt die Ebenen nicht zu vermischen. „Man darf naturwissenschaftliche Fragen nicht vom Glauben her beantworten wollen oder umgekehrt.“ Das zentrale und einzigartige Ereignis des Neuen Testaments, Jesu Auferstehung von den Toten, sei eine Glaubensangelegenheit: „Wenn man nicht an Christi Auferstehung glaubt, hat man – finde ich – den Kern des Christentums verpasst.“ Sie könne nachvollziehen, wenn Menschen Probleme hätten, daran zu glauben. Aber: „Wenn Gott die Welt geschaffen hat, ist er auch fähig, eine Auferstehung geschehen zu lassen.“
Für regelmäßige Abläufe in der Natur sei dagegen die Wissenschaft zuständig – auch für die Entwicklung des Lebens. „Ich bin Anhängerin der Evolutionstheorie“, sagt Eisenschmidt. Aber Evolutionsforschung kümmere sich immer nur um das Wie. „Die Schöpfungsgeschichten der Bibel sind mir dagegen wichtig, weil sie Grundfragen der menschlichen Existenz aufgreifen, etwa: Was macht der Mensch überhaupt in der Welt?“ …“
Tatsächlich scheint vieles im Kosmos exakt auf das menschliche Dasein ausgerichtet zu sein – Physiker sprechen vom anthropischen Prinzip. Wären die Stärke der Gravitation, die Ladung eines Elektrons oder die Masse eines Protons nur geringfügig anders, gäbe es weder Atome noch funkelnde Sterne und erst recht kein Leben. „Die feine Abstimmung der Naturgesetze inspiriert zu der Annahme, dass dies kein Zufall ist, sondern ein Zweck dahinter steht“, sagt John Polkinghorne. Nach seiner Auffassung könnte Gott allgegenwärtig in den Weltenlauf eingreifen, auf eine Weise jedoch, die sich physikalisch nicht nachweisen lässt. Gott beeinflusse etwa chaotische Prozesse, die unvorhersehbar in verschiedene Richtungen verlaufen könnten. …“