Das ist der Tenor einer jetzt veröffentlichen Studie.
Für ihre Analyse trugen Huseyin Naci von der London School of Economics and Political Science und John Ioannidis von der Stanford University alle verfügbaren klinischen Daten zum Effekt von Sport auf die Sterblichkeit zusammen. Insgesamt stießen sie auf vier Übersichtsstudien zu vier verschiedenen Krankheitsbildern. Eine beschäftigte sich mit dem Effekt von Bewegung bei einer Vorform des Diabetes, eine andere bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Bei den beiden anderen Studien hatten die Patienten einen Schlaganfall oder Herzversagen.
Alle Studien bis auf die Diabetesuntersuchung kamen zu dem Schluss, dass die Patienten vom verordneten Training deutlich profitierten. Bewegten sie sich regelmäßig, hatten sie ein geringeres Risiko, in Zeitraum der Studie zu sterben als Patienten ohne Sportprogramm.
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„Die einseitige, auf Medikamente konzentrierte Forschung führt möglicherweise dazu, dass die effektivsten Therapien für Krankheitsbilder unerkannt bleiben, falls es sich dabei nicht um eine Behandlung mit Arzneimitteln handelt“, warnen die Forscher in ihrer Studie. Sie fordern die Wissenschaft dazu auf, die Wirkung präventiv eingenommener Medikamente in weiteren Studien direkt mit der Wirkung von Bewegungsprogrammen zu vergleichen – bisher fehlt es an derartigen Untersuchungen.
Dadurch könnte noch eine weitere Unsicherheit der jetzigen Studie behoben werden: Die Patientengruppen bei den Medikamenten- und den Bewegungsstudien unterschieden sich zum Teil deutlich. Dies könne möglicherweise das Gesamtergebnis verzerrt haben, so Leitzmann. „Es ist beispielsweise denkbar, dass Patienten in den Medikamentenstudien schwerer krank waren als solche in den Bewegungsstudien.“
Könnten die Resultate der Studie gefestigt und die Erkenntnisse über den Effekt der Bewegung ausgebaut werden, dürfte wohl vor allem der Patient profitieren: Körperliche Aktivität bringt nach derzeitigem Kenntnisstand keine kritischen Nebenwirkungen. Dennoch werde ihr Wert bei der Prävention von Krankheiten in der Praxis heute nicht vollständig ausgeschöpft, sagt Leitzmann. Ein Grund dafür sei, dass es auch an wissenschaftlich gesicherten Daten bezüglich der genauen Art, Häufigkeit Frequenz und Intensität präventiv wirkender körperlichen Bewegung mangele. „Dadurch ist es für den Arzt eine Herausforderung, seinen Patienten eine präzise Dosis körperlicher Aktivität zu verordnen.“
Das Problem ist zweierlei. Sport wirkt hier als Prophylaxe. Ist der Mensch erst erkrankt, ist es oft schon zu spät um akut durch Sport zu behandeln.
Die wenigsten Ärzte trauen sich ihren Patienten auf das Rezept „Bewegung“ zu schreiben, weil sie einerseits den Patienten fürchten, der eine unanstrengende Medikamenteneinahme einem schweisstreibenden Fitnessprogramm vorzieht und andererseits sind Ärzte Teil des Milliardenmarktes Gesundheitswesen.