In Kürze jährt sich die atomare Katastrophe von Fukushima zum zweiten Mal.
Das war damals der Anlass eines Interviews der „Zeit“ mit dem Philosophen Robert Spaemann.
In dem Interview wird auch die Frage beantwortet die der Spiegel 2002 gestellt hat: Wo war Gott in Auschwitz?
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-25776828.html
Die Antwort von Robert Spaemann: „Am Kreuz“
weitere Auszüge aus dem Interview:
„…Wie kann er es dann zulassen?
Darauf gibt es eine klare biblische Antwort im Buch Hiob. Hiob fragt sich, warum ihm so viel Unglück zustößt. Seine Freunde betreiben Theodizee und erklären ihm, dass Gott gerecht ist und die Schuld bei Hiob selbst liegt, weil Gott ja nicht schuld sein kann, dass so Schreckliches passiert. Dann tritt Gott selbst auf und weist die Freunde in ihre Schranken. Er sagt: Sie haben überhaupt keine Ahnung. Sie kennen Gottes Motive nicht. In Hiobs Protest ist immer noch mehr Wahrheit als in der Theodizee der Theologen.
Und wie reagiert der bedrängte Hiob?
Gott redet mit Hiob am Ende selbst unter vier Augen und fragt ihn: Wo warst du denn, als ich die Sterne gemacht habe? Als ich das Krokodil gemacht habe, das Nilpferd und den Leviathan? Hast du mir dabei geholfen? Hast du irgendeine Ahnung über den Kosmos? Diese Antwort stößt Hiob nicht ab, sondern sie bringt ihn zur Besinnung:
Er vertraut auf Gott, trotz allem, was geschieht. Seine Frau sagt ihm: Verfluche Gott und stirb. Hiob aber sagt: Wir haben von ihm das Gute genommen, sollten wir dann nicht auch das Böse annehmen; der Name des Herrn sei gepriesen. Ein ermordeter Jude in Auschwitz schrieb in einem herausgeschmuggelten Testament: Gott, mach mit uns, was du willst. Du wirst es nicht schaffen, dass wir aufhören, dich zu loben. Dieses gewaltige Paradox versteht nur ein Gläubiger.
Die Gnade des Glaubens liegt also darin, auch in der Not im Vertrauen bleiben zu können?
Vertrauen das ist das A und O des Glaubens.
…
Die Bibel spricht klar davon, dass die Geschichte der Menschheit ihrem Ende entgegen geht.
Und am Ende kommt nicht etwa das Reich Gottes, sondern der Antichrist. Das Reich Gottes kommt dann rettend in Form eines Einbruchs von außen.
Bevor es aber so weit ist, heißt es etwa im Evangelium von Matthäus im 24. Kapitel, dass sich Naturkatastrophen ereignen werden. Hier ist die Rede von Hungersnöten, von Erdbeben.
Ja, und vom Rauschen des Meeres und von Erschütterungen der Kräfte des Himmels.
Sind diese Ereignisse der letzten Wochen und Jahre wir hatten ja auch Tsunamis und schwere Erdbeben auf den Philippinen, auf Haiti und Chile im Zusammenhang eines biblisch-endzeitlichen Kontextes zu deuten?
Ich denke Ja. Ohne dafür irgendeinen Anspruch zu erheben, dass das eine zwingende Schlussfolgerung wäre. Möglich ist auch eine ganz andere Wendung, denn dasselbe Neue Testament spricht von einem tausendjährigen Reich der Herrschaft Christi, bevor der Antichrist kommt. Es könnte ja auch sein, dass uns noch eine große Zeit bevorsteht, in der viele Menschen Christen werden. Das Ich persönlich sehe das eher nicht, aber ich wäre gern bereit, mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen.
Also, Endzeit ja. Aber ob diese Zeitspanne sich in Jahrzehnten, -hunderten oder tausenden fassen lässt, das ist wiederum Gottes Sache?
Richtig. Aber wenn solche Ereignisse sich häufen, dann haben wir allen Anlass, sie als Zeichen zu nehmen.
Die Bibel fordert das Volk auf, immer wieder froh und voller Hoffnung zu sein. Seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist Eure Stärke. Woher nehmen Christen Trost und Freude angesichts der Ereignisse dieser Tage?
Aus der Verheißung. Wenn Dostojewskis Iwan Karamasow sagt, er will die Eintrittskarte in den Himmel zurückgeben, wenn diese über die Ermordung eines einzelnen, unschuldigen Kindes geht, dann kann man darauf nur antworten: Das Universum interessiert sich nicht dafür, ob du die Eintrittskarte zurückgibst oder nicht. Nur was du tust, ist folgendes: Du willst nicht zustimmen zu einem Reich, in dem dieses getötete Kind wieder leben und getröstet sein wird in Ewigkeit. Stattdessen möchtest du daran festhalten, dass das Böse das letzte Wort hat.
…“
Quelle: http://www.dominik-klenk.de/wo-war-gott-in-japan-interview-mit-robert-spaemann-195