Eigentlich liegt es mir schon lange nahe, einen Beitrag zur Flüchtlingsproblematik zu schreiben.
Mittlerweile gibt es kaum mehr ernsthafte kritische Stimmen in den relevanten Medien.
Ich hätte eigentlich längst erwartet, dass jemand den Vorschlag unterbreitet, doch eine Pendelfähre zwischen dem afrikanischen Festland irgendwo nahe Tripolis und Sizilien einzurichten. Wäre das nicht die logische Konsequenz aus den Unglücken der zahlreichen Schlepper-Schepper-Boote mit denen bereits eine Vielzahl von Flüchtlingen zu Tode gekommen sind?
Wäre die MS Deutschland mit Sasha Hehn auf der Kapitänsbrücke nicht eine angemessene Begrüßung?
Zwei lesenswerte Kommentare von Jan Fleischhauer und Henryk M. Broder habe ich zur Thematik jüngst gelesen.
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„Kein Mensch ist illegal“, heißt die Losung derjenigen, die in der Flüchtlingsdebatte den Ton angeben. Das klingt gut, ist aber nicht viel klüger als die Position der Leute, die keine Flüchtlinge haben wollen. Selbst der freundlichste Mitmensch steckt irgendwann auf, wenn er den Eindruck gewinnt, man wolle ihn ausnutzen. Auch Gutmütigkeit ist eine Ressource, die versiegen kann.
Nach allem, was man weiß, ist die Mehrheit der Deutschen der Meinung, dass sich die Flüchtlingskrise schon irgendwie bewältigen lässt. Dazu gehört aber, dass man nicht jeden denunziert, der den Vorschlag macht, statt Bargeld besser Hilfsgüter auszuteilen. Dazu gehört auch, dass man Leute des Landes verweist, die in ihrer Heimat nicht Krieg und politische Verfolgung leiden.
Man muss irgendwann anfangen zu unterscheiden, wen man aufnehmen will und wen nicht. Das hat nichts mit Kaltherzigkeit zu tun, sondern mit Realitätssinn. Nicht einmal 15 Prozent der Ausländer, die in den vergangenen Jahren von den Behörden zur Rückkehr aufgefordert wurden, haben das Land wirklich verlassen. Sollte sich an der Abschiebepolitik nichts ändern, weil man die Flüchtlingsdebatte nicht anfackeln will, wie die Familienministerin das nennt, werden Hunderttausende Asylbewerber in Deutschland bleiben, obwohl ihre Anträge abgelehnt wurden. …“
„…Stimmungen können sich verändern, in jede Richtung. Eine Politik, die sich auf Gefühlslagen verlässt, ist schnell verlassen. Es ist gerade mal ein halbes Jahr her, da haben die Deutschen noch hinter jedem Zauselbart einen Dschihadisten vermutet und unter jedem Kopftuch die dazugehörige Braut. Wenn der Zuzug in diesem Tempo anhält, wird sich die Zahl der in Deutschland lebenden Muslime in absehbarer Zeit verdoppelt haben. Das ist eine Entwicklung, die alle Prognosen in den Schatten stellt, mit denen Thilo Sarrazin sein Publikum zum Gruseln brachte. Man ahnt, dass es nicht viel braucht, um die alten Befürchtungen wieder zu aktivieren.
In Wahrheit ist die große Wanderung nach Europa ein Beweis für die Anziehungskraft des westlichen Systems. Man hat jedenfalls noch von keinen Flüchtlingstrecks gehört, die gen Russland oder Saudi-Arabien zögen. Das mag an der Einseitigkeit der Medien liegen, die alles unterschlagen, was ihnen nicht passt. Aber wahrscheinlicher ist als Erklärung, dass die Attraktivität des russischen Modells doch nicht ganz dem entspricht, was Putin sich vorstellt. …“
Letzer Absatz ist ein sehr interessanter. Es ist tatsächlich so, dass man vermuten könnte, gerade Muslime die konservativ geprägt sind, würden viel lieber in ein Land, welches ebenfalls überwiegend von Personen ihres Glaubens bevölkert ist. Das scheint aber überhaupt keine Rolle zu spielen.
Man hört auch sehr sehr wenig von Hilfen solcher schwerreicher Staaten wie Saudi-Arabien, Oman, VAE, Bahrein, Qatar…nur um einige zu nennen.
Ich könnte jetzt noch einen Exkurs wagen um zu behaupten, unser christlich geprägtes Abendland scheint in punkto Mitmenschlichkeit doch nicht ganz so moralisch verkommen zu sein wie es die Menschen in Arabien vermuten lassen, die beim leisesten Hauch einer Kritik gleich mal zu Tausenden auf die Strasse flitzen um Fahnen westlicher Staaten in Flammen aufgehen zu lassen.
Jetzt zu Broder:
http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article145883589/Der-Ruf-nach-Einwanderung-ist-eine-Art-Kolonialismus.html
„…Welche Arbeit sollen die Flüchtlinge, bitte schön, denn annehmen?
Als Tellerwäscher bei McDonald’s, Fremdenführer in Neukölln, Türsteher in Duisburg-Marxloh? Unqualifizierte Arbeitslose haben es jetzt schon schwer, irgendeinen Job zu finden, der ihnen ein Existenzminimum garantiert, und der Arzt aus Syrien, der uns immer wieder in den „Tagesthemen“ und dem „Heute Journal“ als Vorbild präsentiert wird, müsste erst einmal eine Weile nachsitzen, bevor er in einem Krankenhaus Patienten behandeln darf. Kein Mensch wird sich, nur um seine Fremdenfreundlichkeit zu demonstrieren, den Blinddarm oder die Mandeln von einem Arzt rausnehmen lassen, mit dem er sich nicht in einer Sprache unterhalten kann, die beiden geläufig ist.
Was wir derzeit importieren, sind nicht nur „ethnische“, also kulturelle und religiöse Konflikte, sondern, um mit Marx zu reden, auch eine „industrielle Reservearmee“, für die es keine Beschäftigung gibt und keine geben wird, das Lumpenproletariat von morgen und übermorgen. Was unser Urteilsvermögen trübt, sind die Bilder, die wir täglich sehen: von der griechisch-mazedonischen Grenze, aus Calais am Ärmelkanal, aus Freital und Heidenau in Sachsen.
…
Leider hat das Argument, die Einwanderer würden uns „bereichern“, inzwischen ausgedient. Bund, Länder und Gemeinden streiten darüber, wer und in welchem Umfang für die Kosten der Einwanderung aufkommen soll. Allein in diesem Jahr könnten es rund zehn Milliarden Euro werden. Peanuts, verglichen mit den Summen, die in Griechenland versenkt wurden. Man sollte nur wissen, dass die Betreuung eines minderjährigen Zuwanderers 60.000 Euro pro Jahr kostet, das ist mehr, als ein Facharbeiter im Jahr verdient. …“