Die wahren Probleme reicher Eltern

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Eine Tube Mitleid bitte für die Probleme reicher Eltern, soll Ihnen doch tatsächlich das Elterngeld gestrichen werden. Da kann es dann schon knapp werden mit dem Prada Pelzmäntelchen für den obligatorischen Fifi (darf heute keinesfalls fehlen!) oder den Gucci Kinderwagen mit Svarowski verzierter Schiebestange.

Ich erwähne nur der Vollständigkeit halber was der Unterschied von zu versteuerndem Einkommen und Einkommen ist.

„Das zu versteuernde Einkommen beschreibt die Höhe der jährlichen Einkünfte, auf die Verbraucher Steuern entrichten müssen. Dabei handelt es sich einfach beschrieben um den Bruttoarbeitslohn oder das Einkommen Selbstständiger, das um verschiedene Abzüge verringert wird.“

Kann jeder in seinem Steuerbescheid selbst nachsehen. Da die Bezieher hoher Einkommen bzw. Einkünfte tendenziell auch mehr Möglichkeiten haben Abzüge geltend zu machen, kommen zum zu versteuernden Einkommen sicher zwischen 20 und 40 Prozent obendrauf um den Bruttobetrag bzw. das Bruttoeinkommen zu erhalten.

Das bedeutet, eine zu versteuernde Einkommensgrenze von 300000 Euro entspricht „Brutto“ größenordnungsgemäß einem Betrag zwischen 400000 und 500000 Euro. Nur die allerwenigsten kennen die letzte Ziffer in solchen Zahlenkolonnen persönlich.

Also geht es somit um Eltern, die beide jenseits der 200000 Euro pro Jahr verdienen. Und denen soll doch tatsächlich eine staatliche Ersatzleistung nicht mehr gewährt werden. Das ist schon eine soziale Härte die erstmal verdaut werden muss, wahrscheinlich am besten bei einem goldverzuckerten Wagyu-Steak in Dubai.

Nikolaus Blome bringt es ganz gut auf den Punkt:

CDU-Chef Friedrich Merz warnt, dass die Streichung viele junge Familien in den teuren Großstädten treffen würde. Und die FAZ schreibt, das alles spiele der AfD in die Hände. Mir werden die Augen feucht: Man fragt sich, wie all die Kinder auf die Welt gekommen sind, bevor es das Elterngeld gab – und wie sie überleben konnten?

Haben ist besser als brauchen: Dieser Satz ist zeitlos schön, aber er sollte nicht für die Zumessung staatlicher Transferzahlungen gelten. Die gut ausgebildeten Bestverdiener nehmen das Geld mit, für sie sind Formulare kein Problem,…

Zudem möchte ich anmerken: Wenn die rund 60.000 Paare, um die es laut der Ministerin zunächst einmal geht, tatsächlich die breite Mitte der Gesellschaft darstellten (was sie nicht tun), wäre Deutschland ein ziemlich reiches, aber zugleich auch ein sehr, sehr kleines Land. Wir reden in Wahrheit von den obersten Gutverdienern, aber etwas anderes stört mich viel mehr. Es geht um das Bild von den Kindern, das der Kritik an der Einschränkung zugrunde liegt. Und die Abwesenheit eines wichtigen Wortes: Verzicht.

»Kleine Kinder, kleine Probleme«, sagten einem die eigenen Eltern früher grinsend, und aus eigener Erfahrung möchte ich hinzufügen: Nach hinten raus werden sie immer teurer, und nicht nur, weil sie womöglich studieren wollen. »Alfa-Cabrio bin ich nie gefahren. Erst hatte ich kein Geld, dann hatten wir Kinder«, habe ich einmal sinngemäß an den Anfang einer Kolumne geschrieben. Oder ernster: Wer Verzicht nicht kann, egal welcher Art und auf welchem Niveau, der sollte keine Kinder kriegen.“