Wie fünf Buchtaben ein Leben kosten können

„Das Handy liegt zwischen den Beinen des jugendlichen Fahrers. „Hallo“ kann Polizeihauptkommissar Thomas Hennemann dort noch lesen. Offenbar hatte der Fahrer gerade begonnen, eine Nachricht einzutippen. Sie fertig zu schreiben oder gar abzuschicken – dazu kommt er nicht mehr. In einer langen Rechtskurve driftet sein Wagen immer weiter nach links, mit Tempo 70 kracht er in einen entgegenkommenden Laster. „Der Lkw-Fahrer hatte keine Chance auszuweichen“, berichtet Hennemann, der damals, im Jahr 2010, als einer der ersten am Unfallort in der Nähe von Münster ankam. Das Bild des völlig zerstörten Autowracks hat sich ihm tief ins Gedächtnis gebrannt. Und obwohl er als Polizist schon vieles gesehen hat, beschäftigt ihn der Unfall noch heute….

Ein stetig wachsendes Problem sei zudem die Ablenkung am Steuer, ergänzt die DVR-Geschäftsführerin – beispielsweise durch Smartphones oder Entertainmentsysteme in den Fahrzeugen. Es sei „Menschen ganz schwer zu vermitteln, dass Handynutzung im Straßenverkehr nichts zu suchen hat“. Denn wie Polizist Hennemann zu berichten weiß, können schon fünf Buchstaben ein Leben kosten.“

Diesen Zusammenhang herzustellen ist nicht schwer. Man beobachte nur einmal vom Fahrradsattel aus die Gesichter von Fahrzeugführern und wohin ihr Blick gerichtet ist. Warum ist so oft entweder das Smartphone am Ohr oder aber der Blick nach rechts (vom Fahrer aus betrachtet) unten abgelenkt?

Genau. Es wird rumgeklimpert was das Zeug hält. Mit fatalen Folgen. Man muss nur die Unfallberichte aufmerksam studieren und wird hellhörig bei der folgenden Aussage: auf gerader Strecke aus bislang ungeklärter Ursache entweder von der Fahrbahn abgekommen oder in den Gegenverkehr geraten.

In aller Regel werden die Handydaten nicht ausgelesen, wenn es keine Fremdbeteiligung gibt. Und welcher Angehörige will schon nachforschen und erfahren, dass sein Kind/Partner/Freund ein Volldepp gewesen ist, der nur aufgrund eine derartig überflüssigen Handlung zu Tode gekommen ist?

Es ist aber diese unsägliche gesellschaftliche Entwicklung mitschuld, die es mir nurmehr erlaubt mit Personen Ü70 einen Abend zu verbringen, ohne mit nervtötendem Geömmel alle paar Sekunden gestört zu werden. Ein Dialog mit Menschen ungestört über mehr als 5 Minuten ist mit allen Sub60 nicht mehr möglich. Jeder Furz musss bezwitschert und beklatscht und beackert werden, ob der Feuerwehrkommandant von Neustrunzdumm vom Podium gestürzt ist nach 4 Maß oder aber ob ein Sushiröllchen vom Brett in einem Restaurant in Washikobi gerollt ist. Könnte immer lebenswichtig sein.

Erst wurde es als zivilisatorischer Fortschritt erachtet die Sklaverei abgeschafft zu haben. Jetzt verklavt sich das Individuum selbst. Was für eine Farce.