Was darf ein Leben kosten?

Diese Frage stellt der Autor eines absolut lesenswerten Spiegel Artikels den ich hiermit ausdrücklich zur Lektüre empfehle!

Auszüge daraus:

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„Wir sind nicht nur an Tod und Überleben interessiert“, sagt Weyma Lübbe. Es mache auch einen Unterschied, „wie wir ums Leben kommen: Sterben wir einfach, oder werden wir beispielsweise getötet?“ Das Resultat sei zwar das gleiche, „doch es fühlt sich anders an: Es ist uns wichtig, nicht Opfer missachtender Taten zu werden“.

Anfang 2019 fiel ein kleiner Junge in Spanien in ein illegal gebohrtes Brunnenloch. Trotz der hohen Wahrscheinlichkeit, dass der Zweijährige bereits beim Sturz in den 71 Meter tiefen Schacht starb, setzten die Behörden 300 Helfer in Marsch, dazu Kräne, Bagger und zwei Hubschrauber. Das waren die als völlig legitim angesehenen Anstrengungen einer Gesellschaft, die es zuvor noch versäumt hatte, für die ordentliche Sicherung solcher Bohrlöcher zu vertretbaren Kosten zu sorgen. Zur Bergung eines Kindes aus einem Brunnen ist jeder Aufwand Recht, für Brunnenabdeckungen nicht….“

„…Wenn Prävention unterbleibe, sei das leichter zu ertragen, als unterlassene Akuthilfe, sagt Lübbe. Werde eine gefährliche Straßenkurve baulich nicht entschärft und später komme jemand dort ums Leben, so sei das etwas anderes, als wenn die gleichen Ressourcen unmittelbar bei einem Unfall eingespart würden – also etwa der Krankenwagen einen Verletzten nicht abhole. …“

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Doch ist der Lockdown wirklich eine einseitige Solidaritätsaktion der eher Jungen für Alte und Risikopatienten? Den Kollaps des Gesundheitssystems zu verhindern, ist im Interesse der gesamten Bevölkerung. Wenn die Krankenhausversorgung zusammenbricht, wird jeder zur Risikogruppe, auch der Motorradfahrer Mitte 30, der nach einem Unfall nicht rechtzeitig behandelt werden kann.

Und was würde eine Gesellschaft an sich selbst anrichten, wenn sie in einer akuten Notsituation eine Minderheit opfert für das wirtschaftliche Wohlergehen der Mehrheit?

Die ökonomischen Modelle zur Abwägung von Geld und Lebensjahren erwecken den Eindruck, als gäbe es eine einfache und klare Antwort auf die Frage, was jetzt richtig ist. Doch diese Abkürzung gibt es nicht. …“