Der Urlaub insgesamt war stark radlastig. Im Vorfeld hatte ich mir vorgenommen, das Stilfser Joch zu fahren, daher kam auch die Fokkusierung darauf.
Am Samstag den 02.07.2022 bin ich noch zu Hause eine Route gefahren, die ich auch einfach mal machen wollte: Ro-Aschau/Chiemgau-Bernau-Marquardstein-Kössen-Walchsee-Ro
Das war zwar nicht extrem fordernd, aber dennoch mit 119 km und knapp über 4 h genug, um am Sonntag nicht taufrisch zu sein. Lange überlegte ich, was ich am Tag der Anfahrt machen sollte.
Entschieden habe ich mich dann für den Klassiker:
Kühtai
Das Kühtai bin ich damit zum dritten Mal gefahren, dieses Mal wieder die klassische Anfahrt von Oetz.
https://www.quaeldich.de/paesse/kuehtaisattel/
Im Gegensatz zur ersten Befahrung 2020 empfand ich den Anstieg härter und zwar unabhängig von dem ca. 1 km nach Ochsengarten wo es bis zu 18% aufsteilt und was ich gut in Erinnerung hatte. Bereits im ersten Stück bis Mühlau gibt es einige zwar kurze, aber dennoch knackige Stücke. Insgesamt brauchte ich 1:37 h was 5 Minuten langsamer als 2020 war.

Abfahrt dann nach Kemnaten und zurück über das Inntal.

Was ich mir so gedacht habe, dass ich 2021 schon ein harter Hund war, als ich das Kühtai Rodeo gefahren bin, das wäre mir an diesem Tag nicht ansatzweise gelungen. Und dabei ist eigentlich der Anstieg von Oetz noch der einfachste der drei Optionen zum Kühtai.
Stilfser Joch – Stelvio
Nachdem der Montag und der Dienstag witterungstechnisch keine Fahrt zuliesen, konzentrierte ich mich an diesen beiden Tagen darauf, möglichst nichts zu übertreiben um die nötige Frische zu haben. Mittwoch der 06. Juli 2022 war dann Großkampftag.
Mit dem Auto fuhr ich bis Glurns, parkte dort und radelte zunächst nach Prad. Mit leichten Orientierungsschwierigkeiten kam ich über das Industriegebiet letztlich auf die korrekte Straße Richtung Trafoi.
https://www.quaeldich.de/paesse/stilfser-joch/
Natürlich wurde ich unten mehrfach überholt, aber ich fuhr konstant mein Tempo bzw. das was ich glaubte an Leistung so konstant bis oben durchkurbeln zu können. In Trafoi machte ich eine erste Pause. Danach geht es konstant weiter bis zum Gasthaus Knott, bis dahin kurbelte ich gut und brauchte auch nicht mein kleinstes Ritzel. Relativ nah ist danach die Franzenshöhe (2:04 ab Start und 1:37 ab Ortsausgang Prad), von wo aus der berühmte Schlussanstieg gut einsehbar ist. Ich verkalulierte mich indem ich ca. 30 Minuten für den verbleibenden Anstieg schätzte. Es wurden 43 Minuten. In diesem Schlussstück konnte ich gut überholen, wobei sich das ganze nach oben hin noch etwas zäh gestaltete. Dennoch kurbelte ich ohne Einbruch bis oben durch.

Nur oben angekommen trifft mann auf eine leicht surreale Welt. Ein Trubel und Rummelplatz aus Motorradfahrern, Souvenirbuden, Würstchenständen und Touristen aus aller Welt. Und natürlich trotzdem jeder Menge Rennradfahrern.

Hochgefahren bin ich in der Endura Pro SL Bibshort, einem kurzen Funktionsshirt und darüber ein langärmliges Radtrikot. Oben zog ich zusätzlich die Windweste an und auch ein langärmliges Thermoshirt. Es dürfte knapp unter 10 Grad gehabt haben. Wobei die Abfahrt dann insgesamt nicht so arg kalt war und auch verkehrsarm, zumindest im oberen Teil.
Abfahrt dann über den Umbrail Pass.

Die Abfahrt ist oben offen und übersichtlich und daher rollt es sich gut, weiter unten wird es schmaler und auch unübersichtlicher, weshalb ich wie gewohnt nicht auf Rekorde aus war was die Abfahrtszeit anbelangte. Dennoch zog sich die Abfahrt dann doch etwas bis ich überraschend an einer Minikreuzung in Santa Maria in Münstair endete. Der Rest der Abfahrt nach Glurns war durch heftigen Gegenwind geprägt, ansonsten rollt es fast nur bergab.
Das Stilfser Joch ist nicht das härteste gewesen was ich je gefahren bin, mit 1844 Höhenmetern ist es insgesamt so spektakulär nicht, nur die konstante fast ununterbrochene Steigung ist es. Zum Vergleich: letztes Jahr beim Kühtai Rodeo waren es 2000 Höhenmeter mehr.
Meran – Etsch Radweg
Dieser Radausflug stand vorab überhaupt nicht auf meinem Plan. Das hat sich dann einfach so ergeben, da ich unbedingt noch den Ofenpass fahren wollte, aber der Freitag etwas kühler prognostiziert wurde als der Samstag, weshalb ich es eben genau so durchgeführt habe. Also am Freitag den 08. Juli die Tour nach Meran.
Start war wieder in Glurns. Dann wieder den guten Radweg mit Rückenwind nach Prad. Allerdings gibt es dann lt. Infos drei Schotterstücke die ich umfahren musste, weshalb ich die normale Straße über Spondinig nach Eyrs nahm. Das gleich nochmals von Laas nach Schlanders. Das war allerdings vergleichsweise unangenehm im Verkehr zu fahren, weil auf dieser Strecke alles durch das Vinschgau rollt was Räder hat. Daher beschloss ich da bereits, heimwärts diese Strecke zu umgehen.
Ab Schlanders bin ich dann wieder auf den super ausgebauten Radweg gekommen und mit viel Rückenwind und Talabwärts bis hinter Töll (Castello Plars lt. Karte) gefahren. Von dort wäre es nurmehr abwärts bis Meran gegangen ohne dass ich in die Stadt selbst wollte, also sparte ich mir diesen Abschnitt.

Zurück ging es dann mit Gegenwind und stets aufwärts. Dabei hatte ich dann noch die Passage mit Schotter ab Schlanders-Göflan nach Laas zu bewältigen. Die knapp 3,5 Kilometer waren eine Herausforderung für mein Material und ich hätte mich sonstwo hingebissen wenn ich einen Plattfuss erlitten hätte. Aber dem war nicht so. Wegen dieser Passage würde ich den Weg nach Meran mit dem Rennrad auch nicht noch einmal machen, zumindest nicht mit Rückweg. Es folgte dann noch ein kurzer knackiger Anstieg hinauf nach Tschengls der auf der anderen Ortsseite genauso steil hinabführte. Für Lieschen Normalo Tourenradler eine Herausforderung, notwendig deshalb weil der geschotterte Radweg der den Ort unten umfährt gesperrt war.
Auf der Fahrt habe ich auch das Schloss Juval von Reinhold Messner gesehen, bisher war mir dessen Lage nicht bewusst.

Ofenpass
Mit den 110 km nach Meran am Vortag war ich am Samstag den 09. Juli 2022 natürlich nicht in Bestform für den Ofenpass.
Daher habe ich auch den Plan verworfen direkt in Nauders zu starten oder auch den Rundkurs über Zernez und die Norberthöhe zu fahren (da gab es auch noch das Schotterstück nach Scuol).
Also Startpunkt wieder Glurns.
Ganz nett hoch nach Santa Maria Müstair gekurbelt (50 min). Die erste Stunde habe ich 17 km geschafft.
https://www.quaeldich.de/paesse/ofenpass/
Danach geht es mäßig steil hoch und mann erreicht ein Hochtal, wo es sogar leicht bergab geht. Ich täuschte mich dann etwas über den weiteren Verlauf, denn die letzten gut 400 Höhenmeter geht es dann doch ansatzlos konstant nach oben. Begegnet ist mir bis auf einen Radler mit Akku niemand, auch wurde ich nicht ein einziges Mal überholt. Die Rennradler konzentieren sich eindeutig auf das prestigeträchtigere Stilfser Joch.

Ausgerüstet war ich mit dem kurzen Karlsfeld Trikot, hatte zwar die Armlinge im Gepäck, zog sie aber nicht an. Oben war es mäßig warm, aber es schien die Sonne und so war es ok, auch für die Abfahrt.
Auch hier war wieder starker Gegenwind hinunter ab Santa Maria.
