Unfall – Mittelfußbruch – OP

Seit vergangenem Samstag gegen 14 h ist mein Lebensablauf wesentlich gestört. Es kam zu einer Ereigniskette, die ich im folgenden chronologisch beleuchte.

Samstag 10. Juni 2023:

Ereigniszeitpunkt: ca. 14 h

Ich war bei Gartenarbeiten im Häusener Garten der alten Racker beschäftigt. Zuvor hatte ich mit der Heckenschere auf der Terrasse Efeu geschnitten/gestutzt und die Heckenschere dann an der Ecke der Kirschlorbeeren vor der Garage platziert, um am Garagendach den wilden Wein damit zu stutzen.

Die Ausziehleiter holte ich dazu von der Hauswand, auf der Höhe der Kirschlorbeeren richtete ich sie auf, übersah dabei die Heckenschere, kam ins stolpern, fing mich gerade noch mit halb aufgerichteter Leiter am Garagendach auf und dabei geriet mein linker Fuß unter den linken Holm der Leiter. Ich trug geschlossene Turnschuhe, aber keine Sicherheitsschuhe.

Es tat sofort weh und es war von einer Prellung auszugehen. Daher beendete ich die Arbeiten, kühlte den Fuß und humpelte bis abends so umher.

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich sogar noch, dass mit etwas Ruhe mein Radtraining wie geplant am Sonntag stattfinden könnte. Das laufen wurde aber eher schlechter und abends benutze ich eine Krücke von Mom als Stütze.

Über Nacht wickelten wir den Fuß in einen Heparin Salbenverband.

Sonntag 11. Juni 2023:

Der Fuß war angeschwollen, im unbewegten Zustand schmerzlos aber bei Bewegung schmerzbewährt. Wir entschlossen uns Dr. Dr. Sunshine zu kontaktieren und fuhren am späten Sonntagvormittag zur Diagnose. Ohne Röntgenbild keine eindeutige Diagnose, so die Aussage. Daher sind wir dann in die Notaufnahme ins Krankenhaus FO gefahren.

Fazit nach 3 Stunden Aufenthalt: doppelter Mittelfußbruch (metatarsale 5 Basisfraktur meta-diasphysär, mehrfragmentäre metatarsale 4 Schaftfraktur links (S92.9, LG). Eine OP seit nötig, so die Aussage des Arztes.

Ein Rennschuh wurde mir angefertigt und dieser eingewickelt und so bin ich auf zwei Krücken nach Hause. Daneben gab es eine CD mit den Röntgenbildern. Ich sollte mich bezüglich OP Montag früh melden.

Abends kam der vorzügliche und überaus hilfsbereit Hausdoc vorbei und begutachtete die Röntgenbilder. Es sei ein grenzwertiger Fall, so die Aussage. Wäre die Fraktur nur am 4er, würde überhaupt nichts gemacht. Die 5er Basisfraktur wäre der Knackpunkt. Aber zur definitiven Abklärung sei ein CT erforderlich/sinnvoll. Da ich nicht sicher war, ob dies auch in FO im Krankenhaus gemacht würde entschloss ich mich in FO abzusagen und mich in die Hände des Klinikums BA zu begeben.

Montag 12. Juni 2023

Termin Klinikum BA um 11.30 h

CT wurde gemacht, danach langes sehr gutes Gespräch mit Dr. Felix Sauer über die Optionen. Prinzipiell zwei Optionen, da Fall unverändert grenzwertig: konservative Therapie, d.h. keine OP und 6 Wochen nur Teilbelastung (oder gar keine Belastung ?) mit einem Walker, einer Art Skischuh am Fuß. Danach würde überprüft ob die Heilung erfolgreich verlaufen ist. Falls nein müsste trotzdem operiert werden, wobei die OP prinzipiell die gleiche ist wie bei Option 2.

OP, also perkutane Schraubenosteosynthese mit anschließender 14 tägiger Schonung aber danach Vollbelastung bereits möglich.

Dr. Sauer verwies auf eine Studie mit Erfolgsaussichten von 75 % konservative Therapie vs. 98 % mit OP.

Telefonischer Austausch mit dem HausDoc des Vertrauens. Während Dr. Sauer mir zwar die Wahlfreiheit lies, war seine Tendenz sicherlich pro OP. Simon war etwas zögerlicher und letztlich blieb es meine Entscheidung. Prinzipiell bin ich Mann und Schisser und obendrein mit dem ganzen Medizinkrams eher nicht befreundet. Daher war meine Tendenz zunächst auch eher so, es konservativ zu versuchen.

Allerdings hätte es bedeutet, bis ca. Ende Juli nichts machen zu können und danach vielleicht bei gutem Verlauf mit Teilbelastung und langsamen Aufbau zu beginnen. Je länger jedoch ohne Vollbelastung, desto mehr Muskel wird abgebaut und desto länger dauert der Wiederaufbau.

Auch die Tatsache, dass es lt. Aussage nur eine kleine ambulante OP ist bewog mich nach reiflicher Überlegungszeit am Montag Nachmittag dazu mit für eine OP zu entscheiden.

Dienstag 13. Juni 2023

Nachdem ich telefonisch in BA zugesagt hatte wurde ich nochmal einbestellt für die notwendigen Vorgespräche. Also nochmals nach BA gefahren (das geht mit PKW mit Automatik ganz gut).

Gespräche mit der Anästhesistin und dem Arzt geführt (Dr. Kramarcyk ??). Dazu musste ich auch in den 6. Stock West zum Zentrum Ambulante Operation. Glaube das nannte ich offiziell Prämedikationsgespräch (?).

Termin habe ich dann zu Hause telefonisch erfragt, wurde mit 9.30 h bestätigt.

Was es zu koordinieren galt war der Transport bin und zurück. Eine Entlassung ist nur möglich mit Abholung durch eine Person, mann darf also nicht allein z.B. mit dem Taxi retour wenn mann nicht direkt auf der Station abgeholt wird.

Hinwärts habe ich dann mit Taxi Yasin eine Vereinbarung getroffen, retour sollte mich meine Schwester abholen.

Mittwoch 14. Juni 2023

Abholung mit dem Taxi gegen 8.15 h. Ankunft 8:44 h. Daher hatte ich noch etwas Zeit. Ich hatte den kleinen gelb-schwarzen Rucksack dabei.

Vorbedingung war, 6 h vorher nichts zu essen und nichts zu trinken. Daher habe ich Dienstag Abend zum letzten Mal etwas gegessen und nur einen winzigen Schluck Mittwoch früh getrunken. War aber völlig ok.

Gegen 9.20 h war ich am Empfangstresen im 6. Stock. Wegen Netzwerkausfall kommt es zu Verzögerungen, so die Aussage. Was mich als Patienten somit beschäftigte war die Frage, hoffentlich muss ich wenn es länger Wartezeit beansprucht dann nicht doch Pipi. Daher bin ich aus Nervositätsgründen noch 2x dort im Wartebereich gewesen.

Gegen 10.45 h ging es dann los. Ab in die Umkleidekabine. Bereit lag eine Vlieskopfbedeckung, eine Einmalschlüpferchen, ein OP Hemd und ein Paar Socken. Der Rest kam in einen abschließbaren Spind.

Mit einem Aufzug nostaligischer Geschwindigkeit ging es hinab in den 5. Stock.

Ein Bett war gerade noch frei und ich wurde fürsorglich umhegt, sogar eine flauschige Kuscheldecke gab es, als hätten sie meine Abneigung gegen Kälte jedweder Art geahnt (oder hatte ich es doch bei einer der vielen Formulare informatorisch vermerkt ?). Der Kollege im Bett nebenan war offenkundig Raucher und schwer anzuzapfen. Ich wollte die Details des Auf- oder Anschnitts eigentlich gar nicht wissen, musste dem aber zwangsläufig beiwohnen.

Ich wurde dann präpariert, aber vorläufig noch ohne Formalin. Diese Flasche blieb dankenswerterweise noch im Giftschrank. Es wurden Kontaktpunkte für das EKG angeklebt und der sog. Zugang in der Ellenbeugenvene gelegt. Dann wurde Schnaps oder ähnliches eingeträufelt. Eine klare Flüssigkeit war es aber sicherlich.

In den gleichen Zugang gab es dann noch 1,5 g Cefuroxim, ein Antibiotikum aus der Gruppe der Cephalosporine.

Als es weiterging per Bettentaxifahrt musste ich nochmals manuell umparken, danach ging es direkt in den OP B3. Es war dort sehr geräumig. 3 riesige Rundleuchten die aber noch nicht mit voller Strahlkraft leuchteten waren zur Erleuchtung des Operateurs und der Crew installiert. Eine kleine Anästesiemaus mit braunen Augen und unbekannter Schuhgröße (ich unterdrückte meine Neugier nach ihren Füßen) kam dann und justierte eine Gasmaske kleinerer Bauart auf meinen Großzinken. Ich sollte kräftig ein- und Ausatmen war mir noch mühlelos gelang. Irgendwann später verließ mich mein Gedächtnis.

Ich wachte gegen 13 h sehr müde auf und weil ich das Bett schließlich bereits bezahlt hatte. drückte ich meine Äuglein für einige weitere Minuten nochmals zu. Das penetrante Fragen nach meinem Zustand um exakt 13.23 h riss mich aus meinen Träumen. Auf dem Monitor waren die Werte 121/71 und Puls 42 zu lesen. Komisch dachte ich mir, mein minimaler Ruhepuls lag doch bisher bei 48 Schlägen?

Sanft aber bestimmt wurde ich dann aus meinem Bett vertrieben, indem ich einige Meter weiter auf einen Stuhl mit Fußteil verfrachtet wurde bzw. es selbst verrichtete.

Eine Nachfrage nach meinen Schmerzen beantwortete ich mit 4-5 auf der 10 teiligen Skala, natürlich berücksichtigend, dass ich ein Männlein ohne sonstige dauerhafte Schmerzsymptomatiken bin. Die beiden Damen runzelten etwas die Stirn, aber so bin ich nunmal.

Ich artikulierte dann meine Bedenken bezüglich des langen Weges hinaus bis ins Parkhaus.

Die letzten Minuten der Ruhe brachen an, bevor es entgültig Abschied nehmen hies vom polierten Hygienezönchen. Blasmusik und der Einzug von Sterneköchen mit flambierten Eistörtchen wie in mir bei Betrachtung von vielen Folgen des Traumschiffs unterschwellig eingebrannt unberlieb, was bei mir aber nur einen inneren kurzen Unfrieden auslöste. Eine weitere Aufzugsfahrt von gefühlter Dauer wie im Burj Kalifa beförderte mich wieder in den Umleidebereich, wo ich mich wieder gekonnt in Schale warf. Den hellblauen Bubisocken ergaunerte ich mir natürlich.

Die Ausgangstür kaum hinter mir geschlossen, erwartete mich die nächste spektakuläre Sensation.

Meine Schwester erkannte ich auch ohne Häubchen sofort. Was aber war das auffällige technische Gerät in ihrer Begleitung? Ein Toilettenstuhl mit Gitternetz für den Fang von Hochseefisch? Ein feuerrotes Papamobil für einfache Kassenpatienten ohne festgestellte Religionszugehörigkeit? Ein vom letzten Faschingsball der Einbeinamputierten übriggebliebenes Spassmobil?

Nun, einmal herangeschafft blieb mit nichts anderes übrig als mein Hinterteil auf das windige Drahtgestell zu hieven. Das schnittige Fußteildesign im Schwinghammer-Porsche-Design mag auf der Architekturmesse in Buenos Fussos den bronzenen Pesospreis ergattert haben, meine Potschen haben beide auf der Kleinkachel zusammen jedoch kaum Platz gefunden. Zumal bei entsprechender Fahrt und eindrehen der Gummiknubser diese an meiner Achillesferse scheuerten. Vielleicht ein unbeachteter und nun enthüllter Selbsterhaltungsmechanismus des Orthopädiemedizinischen Sektors?

Nach langer aber dennoch unfallfreier Fahrt gelang es uns die sonnige Freifläche des noch nicht ausgebauten Roof-Top Poolbereichs zu erreichen:

Gegen 16.15 h erreichten wir dann auch endlich den heimischen Terrassenkomfortbereich, wo uns applaudierende Zeitzeugen des Jahrhunderts (167 Jahre) unter Rührung in Empfang nahmen.

Eine Schmerzmedikation musste am Abend nicht vorgenommen werden.

Ein aufregender Tag ging gemütlich seinem Ende entgegen.