Zum Tod von Theo Angelopoulos

Das Griechenland des Theo Angelopoulos ist ein Griechenland ohne Sonne. In seinen schier endlos langen Plansequenzen entschleunigt Angelopoulos die Gegenwart. Die Zeit wird zu einer Preziose im Bewußtsein vergegenwärtigter Bilder.

Der Spiegel schreibt dazu heute:

„…Doch ein affirmativer Stimmungsfilmer war Angelopoulos, der seine chineastischen Initiation im Paris der frühen sechziger Jahre erlebte, nie. Wie die Regisseure der Nouvelle Vague reflektierte er den Film mithilfe literarischer Traditionen. Seine häufig mehrminütigen Plansequenzen, für die er berühmt wurde, finden kaum eine Entsprechung in den Werken anderer Filmer, dafür aber in den Periodenbauten der Satzkunst von Literatur und Musik.

Für diese auch logistisch hochkomplexen Bildkonstruktionen, die Vergangenheit und Gegenwart, Marginales und Zentrales, vordergründige Handlung und historischen Hintergründe multiperspektivisch in eine geschlossene erzählerische Bewegung einfließen ließen, war der „zeitreisende Landvermesser“ (Wolfram Schütte) auf Kameramänner angewiesen, die seine Vorstellungen umsetzen konnten. In Yorgos Arvanitis fand er gleichsam sein filmisches Auge, genauso wie er in dem scharfzüngigen Spötter Petros Markaris, mittlerweile auch in Deutschland als Krimiautor populär, einen Gegenpol beim Schreiben fand und in Eleni Karaindrou eine Komponistin, die mit ihren elegisch schluchzenden Filmmusiken mehr Verbreitung fand, als es Angelopoulos‘ Filmen selbst vergönnt war.

Denn die Breitenwirkung dieses Solitärs der Filmkunst ist unglaublich gering, die Zahl der Kinobesucher in Deutschland bewegte sich fast immer im unteren fünfstelligen Bereich, und wenn dieser 1935 in Athen als Sohn eines Parfümeriebesitzers geborene Filmemacher nicht stets mit der Unterstützung gerade auch der deutschen öffentlich-rechtlichen Sender hätte rechnen können, wäre ein Großteil seines Werks niemals entstanden. …“

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