Ein Großfamilienurlaub irgendwo in Deutschland im Sommer 2009:
5.15 h: Großmutti wird durch Vogelgezwitscher in der Nachtruhe aufgeschreckt, kann nicht mehr einschlafen, steht auf, bereitet das Powerfrühstück für die Radsporttruppe vor und erledigt die wichtige Anschnurarbeit noch bevor der Hahn dreimal…ähhh…
5.45 h: Die Radsporttruppe, bestehend aus den zwei allerlöblichsten der gesamten Großfamilie, ist am Frühstückstisch bestens gelaunt vollständig und selbstverständlich bereits in Radsportuniform angezogen eingetroffen. Die mit Vollkornhonig beidseitig bestrichenen Dinkelbrotschreiben werden kräftig zubeißend herzhaft schmatzend verzehrt. Großmutti lässt es sich nicht nehmen, noch eine Stulle mit Frühkornkäse und Schnittlauchstreuseln zu schmieren.
6.15 h: Jeder bekommt heute wieder sein Fett ab. Dazu hantiert die Radsporttruppe in äußerst exotisch-akrobatisch anmutender Stellung mit einer Tube Melkfett. 88|
6.30 h: Die Trinkflaschen werden mit einer geheimen Mischung von stärkenden Ingredienzien und Leitungswasser befüllt. Als weitere Verpflegung für die anstehende Tour von geschätzten 220 Kilometern werden je 2 Müsliriegel und eine Handvoll Nüsse ins Trikot gestopft. „Mehr braucht es nicht“, meint der Helminator.
6.45 h: Unter Tränen nimmt Großmutti als einzige von der Radsporttruppe Abschied, die schon bald richtig Fahrt aufnimmt und außer Sichtweite gerät. :wave:
8.00 h: Von Alpträumen wegen der mangelhaften Versorgung der in der Schüpf (unlöblich: Halle :??:) untergebrachten Hasen geplagt erwacht Großvati. 30 Sekunden später ist die bewährte Säge wieder ganz ohne Stromversorgung aktiv.
8.30 h: die redliche M. kommt gut gelaunt in den Speiseraum und erklärt sich spontan bereit, eine Anzahl von krossen Mehrkornbrötchen im Ladengeschäft zu erwerben.
9.00 h: Großmutti hat in der Zwischenzeit eine Charlodden Torden, einen Hefe-Nuss-Zopf mit Quark-Sahne-Wicklung und 18 windige Beutel in die Röhre schauen lassen.
9.30 h: nach dem 4. Weckruf gelingt es Großmutti endlich Großvati wiederzubeleben. Dabei half allerdings letztlich nur die Vortäuschung falscher Tatsachen, im Radio liefe gerade eine Ansprache von Margot Käsmann.
9.45 h: immer mehr Teilnehmer erreichen den Frühstückstisch. Gleichzeitig ist die Radsporttruppe bereits über 80 Kilometer im Sattel und verzehrt quitschvergnügt den ersten Müsliriegel. Natürlich wird dafür nicht extra angehalten.
11.00 h: der vorletzte aus der Runde erreicht mit Mühe nach geschätzten 13 Stunden Schlaf das Spätaufsteherfrühstück.
11.45 h: Mit verquollenen Augen und ohne Gruß kommt der letzte aus der Runde aus der Koje :yawn: und wird von allen mit „Mahlzeit“ willkommen geheißen. Aus Diskretionsgründen werden natürlich keine Namen genannt.
12.00 h: Die Radsporttruppe hat nach mühelosen 125 Kilometern im strammen Gegenwind den Mittagshalt erreicht. Eine Handvoll Nüsse kommt jetzt gerade recht, um die leicht angetauten Kraftstofftanks wieder zu befüllen.
12.45 h: mehrere Teilnehmer ziehen sich von schwerer Müdigkeit gezeichnet in die Schlafkojen zurück.
14.30 h: die Ansage zum Bohnenumtrunk mit kostenloser Gebäckstücksausgabe lässt die Kojeninsassen aus den Matratzen schnellen. Das dabei entstehende Knarzgeräusch kann nicht eindeutig zugeordnet werden und es bleibt unklar, ob es sich dabei um einen Wirbelkörpersinuston oder die Sprungfeder des Bettes handelt.
16.00 h: die Radsporttruppe sprengt die Schallmauer von 200 Kilometern. Am Hinterrad des Helminators kommt es nun zu ersten Konditionsmängeln und der Windschatten wird nun nicht mehr verlassen.
17.30 h: Nach exakt 227,4 Kilometern erreicht die Radsporttruppe von neidischen familiären Blicken begleitet wieder das Quartier :yes:. Natürlich darf jetzt jeder der Zurückgebliebenen einmal eine Wade der Helden zärtlich massieren. Soviel Nähe darf sein.
Laut Aussage von M. gibt es eine neuere wissenschaftliche Studie, wonach die körperliche Nähe von Familienmitgliedern untereinander sich auf die psychische Stabilität des sog. Tonusquadranten positiv auswirkt. Das ist phantastisch. Alle halten sie sich nun gegenseitig die Patscherchen.
Nur die echten Kerle der Radsporttruppe sind vogelzeigend >:XX richtung Duschkabine entwichen.
19.00 h: nachdem im familiären Gastrobereich kleinere Häppchen zur Stärkung aufgefahren werden, rebellieren die Mitglieder der Radsporttruppe unter Verweis auf anständiges Carboloading. Die beiden fahren zum Italiener ins 17 km entfernte Städtchen. Natürlich mit den Rädern. „Bisschen ausfahren schadet eh nicht“, meint der Helminator.
21.20 h: Die Radsporttruppe trifft gut mit je 3 randvoll gehäuften Tellern Nudeln mit Soße gestärkt wieder im Quartier ein. Es haben sich allerdings schon Teilnehmer verabschiedet, vermutlich aus Konditionsmangel, Sauerstoffmangel oder Mangelernährung. Ein Mangel kommt selten allein.
21.30 h: Die Sportler verabschieden sich redlich mit Gute Nacht Wünschen :zz:, denn auf dem Trainingsplan für morgen steht schließlich neben 3,5 Kilometern Schwimmtraining ein langer Lauf über 30 Kilometer.
Schön dass der Helminator nach wie vor einen Großfamilien-Urlaub in Planung hat. Allerdings wird er sich doch wundern über das eine oder andere Familienmitglied. Es wurden schon Spähgänge zum nahe gelegenen Truppenübungsplatz ausgekundschaftet! Desweiteren liegt es durchaus im Bereich des möglichen, dass die Schwestern evtl. die Renn-Stöckchen auspacken ……
Unsinn, die Renn-Stöckchen von heute sind der Teppichklopfer von gestern und gleichzeitig die Peitsche von Tante Domina! Multifunktion, in einem Wort…
so ähnlich könnte ich mir auch einen Tag vorstellen – aber warum nicht! Jeder erwartet eben von Urlaub etwas anderes