Nach der gestrigen Rennrad Saisoneröffnung über 84 Kilometer zog es mich heute am zweiten Urlaubstag in die Berge. Genauer gesagt nach Sachrang, weil alles in Österreich wg. Corona nicht in Frage kommt.
Kurz hinter Aschau/Chiemgau fängt der Winter an. Die Landschaft ist schneebedeckt und alles wirkt so gar nicht nach Frühling, eher tiefer Winter. Sogar die Langlaufloipen sind gespurt. Geschätzt dürften es in Sachrang ca. 20 cm Schnee gewesen sein. Da ich kein Kleingeld für den Parkautomaten habe, musste ich kostenlos parken. Direkt neben der Tourist-Info gibt es eine Handvoll Parkplätze und ich ergatterte einen, es war schließlich erst gegen 9:20 h und auch kein Wochenende. Übrigens: in Sachrang verbrachte Werner Herzog nach dem Krieg einige Zeit.
Ich ging dann den hier näher beschriebenen Weg entlang der Prien. Es war nicht wirklich durchgefroren, weshalb es so mit den Puschen etwas mühsam war, weil ich gelegentlich tief eingebrochen bin im sulzigen Gelände. Nach einiger Zeit ging es einen Hang hinauf und ich entschloss mich die Schneeschuhe die ich dabei hatte einzusetzen. Das ging nich allzu lange gut, den irgendwie schlackerte ein Schneeschuh komisch rum. Eine genaue Betrachtung ergab, dass der hintere Kunststoffriemen der um den Schuh umläuft und diesen fixiert in zwei Teilen baumelnd das Problem war. Einem Inscheniör ist jedoch nix zu schwör und so bastelte ich aus einem Riemengurt, mit dem ich die Schneeschuhe vorher am Rucksack befestigt hatte einen Ersatz. Da ich die Schneeschuhe diese Saison noch gar nicht zu Einsatz gebracht hatte war mir auch entfallen, dass ein Kunststoffiemen oben bereits mit einem Kabelbinder letzte Saison geflickt worden war, was aber bedeutete, dass ich an dieser Stelle nur noch in den Schneeschuh „reinschlupfen“ konnte, jedoch keine Längenverstellung mehr möglich war.
So ging es dann weiter aufwärts, nur um einige Minuten später dieses komische Gefühl am anderen Schneeschuh zu verspüren. Ein Unglück kommt selten allein. Also habe ich den zweiten Gurt auch hier umgebastelt und bin mit dieser einzigartigen Konstruktion Richtung Gipfel weitergestiefelt. An ein Aufgeben war natürlich nicht zu denken.


Sicher dass diese Konstruktion die ganze Tour durchhalten würde war ich mir natürlich nicht. Dazu kommt, dass diese grauen Riemen aus Kunststoff mittlerweile versprödet sind und die Fixierung eigentlich nicht mehr wirklich funktioniert. Die Teile baumeln mehr lose rum. Dennoch habe ich mehrere Damenriegen damit kühn überholt und meine größten Bedenken waren dabei, hoffentlich löst sich gerade im Moment des Passierens nicht das ganze Konstrukt in Einzelteile auf, denn das wäre definitiv ein Abzug in der B-Note gewesen.
So richtig stabil sitzt der Schuh im Schneeschuh so aber nicht und es war schon gut, eine technisch einfache Besteigung heute so unternommen zu haben. Auf die Pleisenspitze z.B. wollte ich so nicht gehen.
Der Aufstieg war mit zunehmender Länge anstrengend wg. der sulzigen Verhältnisse, dennoch war ich bereits nach 2:05 am Gipfel (Standard Gehzeit Sommer 2:30 h).




Am Gipfel wartete aber leider eine weitere herbe Enttäuschung. Die Digicam die ich extra für gute Bilder hochgeschleppt hatte machte den Akku-Schlappmann. Dabei weiss ich sicher, dass ich sie voll geladen hatte. Es war auch nicht kalt, sodass sich der Akku hätte deshalb entladen können. Bitter.
Hinunter ging es nicht exakt den gleichen Weg, teilweise einfach Diretissima. Allerdings war mein Schuh nebst Socken bald kneipptauglich, sodass ich auch hier für neue Wellnessoasen sorgte.



