Projekt 300: erfolgreich abgeschlossen

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Ausgangslage:

Am Sonntag den 30. Juni bin ich bei dem Rosenheimer Radmarathon die 180 km Strecke mit ca. 3000 Höhenmetern gefahren. Im Anschluss hatte ich ab Montag im unteren Rücken leichte Beschwerden, nicht so wie teilw. früher auch (z.B. beim Start vom Arber Radmarathon 2017). Erwartung war, da ich in der Woche auch Urlaub hatte, dass sich die Beschwerden vollständig verzupfen.

Was wirklich planerisch schwierig in 2024 ist, es fehlt die Wetterkonstanz und auch Vorhersagen über mehrere Tage sind im Detail so unscharf, dass nicht wirklich verlass darauf ist. Letztlich gab es wettertechnisch mit Freitag und Samstag zwei Optionen, der Freitag war kühler und bedeckt vorhergesagt worden und der Samstag wärmer mit Kippunkt Richtung Nachmittag mit Schauerrisiko.

Dienstag gab es noch ein Läufchen, muskulär hatte ich nach dem Radmarathon keine Probleme.

Letztlich entschied ich mich am Freitag den 05. Juli das Projekt zu starten, ggf. um auch falls es von Anfang an nicht laufen sollte am Samstag noch nachlegen zu können.

Der Tag:

Der Start in Hausen erfolgte um 5.33 h bei frischen 13 Grad Celsiuis.

Daher habe ich mich auch dazu entschlossen mich warm einzupacken, zumal der Temperaturanstieg bis Mittag moderat bis ca. 19 Grad vorhergesagt wurde: Nicewin Radunterhose, Endura Pro SL Bibshort, Beinlinge, langes Funktionsshirt, langes Radtrikot schwarz/weiss, grüne Fahrradregenradjacke, neue photochrome Sportbrille, schwarze Scott Radschuhe (45)

Um nicht auf der B4 ab der Autobahnausfahrt Fo Nord fahren zu müssen (wie sonst), bin ich ab Forcheim über Pautzfeld nach Neuses. In Pautzfeld habe ich die 6 Uhr Kirchenglocken gehört. Danach ging es über Hirschaid und Strullendorf auf der bekannten Strecke nach Bamberg (1:09 h). Nach 1:17 h am Ende von Bug nahm ich meine erste Verpflegung zu mir.

Prinzipiell war das Verpflegungskonzept wie folgt: nach jeder Stunde ein Gel oder einen Riegel. Dazu hatte ich 2 Isogetränkeflaschen mit ja 0,7 Litern, die enthielten ca. 75 g Kohlenhydrate, was grob pro 5 h Radrunde dann 30 g Kohlenhydrate pro Stunde ausmacht. Prinzipiell waren es zwei Runden a 130 Kilometern und eine Schleife zum Schluss von ca. 40 Kilometern. Das bedeutet, ich machte 2 Stops in Hausen wo ich mich verpflegte (z.B. mit dem Brötchen und den Snickers und auch das Spezi trank ich dort, dazu ölte ich die Kette beim ersten Stop noch nach und bescherte den Alten Rackern so auf der Terrasse einen denkwürdigen Ölfleck, der jetzt mit Gedenktafel und kleinem Zaun drumherum versehen ist).

Die Straßen waren vom Regen in der Nacht noch feucht, mal mehr mal weniger. Der Radweg von Frensdorf bis Ebrach war dann eher feuchter, weil er auch geschützt von Büschen und Wald entlangführt und beheimatete jede Menge Nacktschnecken, die dort ihre Morgengymnastik veranstalteten. Ich versuchte natürlich auf deren Bedürfnisse einzugehen und sie nicht plattzuwalzen. Insgesamt sah das Rad nach der ersten Runde leicht verschmutzt aus, was meine Ästhetik leicht störte.

In Burgwindheim entschloss ich mich weiter bis Ebrach zu fahren, das war leichtes Gelände auf einem guten Radweg, nur eben etwas feucht. In Ebrach war ich nach 70 Kilometern und drehte wieder um. Bis auf zwei Muttis in Burgwindheim die den Radweg mit ihren monströsen Radanhängern beim munteren Plausch blockierten und erst auf Aufforderung den Weg freimachten gab es eigentlich den ganzen Fahrtag keine wirklichen Aufreger was andere Verkehrsteilnehmer anbelangte.

Retour ging es dann ab Frensdorf über Herrnsdorf nach Röbersdorf. Dort war die Ortsdurchfahrt eigentlich gesperrt und trotz der laufenden Bauarbeiten kam ich auf dem ca. 100 Meter langen Schotterstück gut durch.

In Hausen kam ich nach der ersten Runde nach 4:54 h und 129,4 Kilometern wieder an (Schnitt 26,4).

Es war viertel vor 11 h und ich wechselte bekleidungsmäßig auf das lange Radtrikot mit kurzem Funktionshirt darunter (also Verzicht auf die Radjacke) und legte auch die Beinlinge ab.

Runde 2 war dann bis auf Nuancen streckengleich wie Runde 1. Der Wind frischte auf und kam aus Westen. Daher war das Stück von Frensdorf bis Ebrach immer im Gegenwind auf das zäheste. Letztlich war meine Taktik aber auch nach körpergefühl zu waren und sehr konstant die Leistung abzurufen. Auf der Runde 2 nahm ich Gels/Riegel in etwas kürzerem Abstand zu mir, weil ein Supermarktriegel auch klein war und wenig Energie brachte. Nach dem Losfahren in Hausen zu Runde 2 war ich aufgrund auch des Spezies energetisch voll aufgeladen.

Grundüberlegung war bei einem Schnitt von 25 km/h eine Fahrzeit von 12 Stunden. Von Beginn an lag ich in den ersten drei Radstunden stets bei 26 Kilometern und war damit immer leicht über dem angepeilten Schnitt.

Radweg kurz vor Ebrach

Der Wendepunkt war dann wieder am Baustopschild in Ebrach

Ebrach, 2 maliger Wendepunkt nach 70 und 200 Kilometern

Retour ging es dann mit Rückenwind ohne große Probleme bis Hirschaid. Dann wieder über Pautzfeld und Forchheim Sportinsel zur zweiten Pause in Hausen. Eigentlich wollte ich gedanklich die Route für die letzten 40 km durchgehen, aber ich war etwas träge im Kopf und konnte das nicht richtig entscheiden. Was auf der zweiten Runde anfing sich bemerkbar zu machen war an beiden Händen die Handballen, die trotz der gepolsterten Radhandschuhe an dieser Stelle drückten. Viel Varianten den Lenker anzufassen gab es nicht, ich wechselte ab so gut es ging um immer wieder ewas Entlastung zu versuchen.

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Stand nach Ende der zweiten Runde in Hausen

Da es mittlerweile ca. 23 Grad hatte wechselte ich auf kurzes Radtrikot (Karlsfeld).

Da um 18 Uhr der Anpfiff des Viertelfinal EM Spiel Deutschland gegen Spanien war wusste ich, ich würde es schaffen mindestens die zweite Halbzeit mitzuerleben. Dieses Faktum war es auch, weshalb ich nicht erwog irgend etwas mit 300 plus XX anzugehen. Ich hatte zwar keine wirklichen Sitzprobleme, aber zum Ende hin und ab und zu auf der zweiten Runde war es dann doch nicht pures Sofafeeling.

Ich fuhr nach dem zweiten Stop dann mehr aus Gewohnheit wieder Richtung Forchheim und weiter bis Pautzfeld. Dort drehte ich nach Trailsdorf ab und geriet bis Adelsdorf dann wieder in den Gegenwind. Natürlich war es so mühsamer zu fahren, aber es lief immer noch konstant rund. Ab Adelsdorf dann retour nach Hausen und weil noch etwas an Kilometern fehlte, bin ich dann noch 2 x zwischen Hausen und Wimmelbach gependelt.

Verpflegung gesamt:

3,9 Liter Flüssigkeit (3,3 Liter Isogetränk und 0,6 Liter Spezi), d.h. ca. 0,34 Liter pro Stunde

7 Gels, 4 Riegel, 2 Snickers, 1 belegtes Brötchen

Verbrauchte Kalorien ca. 10000

https://connect.garmin.com/modern/activity/16258648562

Fazit:

War es irgendwie eine Grenzerfahrung?

Nein, ich habe fast lebenslange Erfahrung im Ausdauersport, war top vorbereitet, habe so etwas bereits mehrfach vorher gemacht, hatte gutes Material, perfekte Verpflegung und gute Witterungsbedingungen (keine Extreme, weder Wind noch Hitze).

Ich musste an den Buchtitel von Jonas Deichmann denken: das Limit bin nur ich. Das trifft es denke ich ganz gut. Ich war im Gegensatz z.B. zum Kühtai Rodeo auch am Ende überhaupt nicht emotional, ich habe mein Projekt so abgespult wie ich es mir vorgenommen hatte, musste weder kämpfen noch irgendwelche Tiefpunkte überwinden. Ich brauche auch dazu nicht ständig von Musik berieselt zu werden, irgendeinen Mentalcoach oder sonstiges Gedöns. Machen und nicht labern.

Am Tag danach bin ich lockere 25 km gefahren (bis schwarze Wolken kamen), muskulär fehlt überhaupt nichts, ich hätte sicherlich auch 100 plus x abspulen können, physisch ist das überhaupt kein Problem.

Es ist aber gut das es getan ist und der Geist nun nach weiteren Ideen und Herausforderungen suchen kann. Das der Körper bereit ist steht außer Frage.