Pläydoyer für das Leben

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Im Spiegel 35/2017 stand ein beeindruckend und anrührender Artikel von bzw. über die Spiegel Redakteurin Sandra Schulz. Der Titel war „33 Millimeter Mensch“. Es ging um ihre Schwangerschaft und wie sie und ihr Mann mit der Diagnose Down-Syndrom umgehen.

Darüber hat Sandra Schulz ein Buch mit dem Titel „Das ganze Kind hat so viele Fehler“ geschrieben.

Auszüge aus einer Rezension in der FAZ:

„Am elften Dezember 2014 sagt Sandra Schulz den Tod ihrer Tochter ab. Marjas Tod. Vermutlich wäre Marja morgens gestorben, um 7.30 Uhr im fünften Stock eines Hauses, das in einer Einkaufsstraße liegt. Aber Sandra Schulz wollte nicht, dass ihr „Kind blutiger Abfall ist und unten die Menschen Weihnachtsgeschenke einkaufen. Ich wollte ein wenig Würde, für mich und mein totes Baby. Auch wenn es bedeutet, dass der letzte Termin für einen chirurgischen Abbruch nun verstrichen ist.“ Jetzt muss sie Marja gebären, lebendig Ende Mai oder vorher tot, schreibt sie in ihrem heute bei Rowohlt erschienenen Buch „Das ganze Kind hat so viele Fehler“. Dieser Satz stammt nicht von ihr, er ist ein Zitat, dahingesagt von einem der vielen Ärzte, mit denen Sandra Schulz während ihrer Schwangerschaft zu tun hatte. Einer Schwangerschaft, die sie auskosten wollte.

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Sandra Schulz hat einen Traum: „Ich habe Marja gesucht. Auch in einem Bus. Ich bin umhergeirrt. Ich habe alle Menschen gefragt, ob sie mein Kind gesehen haben. Sie war nicht mehr da. Ich wache weinend auf.“ Sie wird Marja zur Welt bringen, sie muss ihr Kind beschützen, wer, wenn nicht sie? Würde sie abtreiben, wäre das auch eine Selbstverstümmelung, das weiß sie. Es geht nicht um Moral, sondern um die Liebe zu ihrem Kind. Am 10. März wird Marja per Kaiserschnitt geboren. Sie ist winzig, 30 Zentimeter Mensch, und sie wiegt 745 Gramm.Zu unserem Treffen hat Sandra Schulz Fotos von ihrer Tochter mitgebracht, Marja ist heute zwei Jahre alt. Stolz zeigt sie die Bilder. Man sieht ein sehr niedliches, blondes Mädchen, dass in die Kamera grinst. Marja tut, was Kinder so tun, sie tobt herum, sie planscht im Schwimmbecken, sie ist frech, turnt, geht in die Kita. Sie wirkt wie ein fröhliches Mädchen. Ein ganz normales Kind mit Down-Syndrom. Ein Kind mit einer Zukunft.“

Ich bin Frau Schulz sehr dankbar, dass sie Ihre Gedanken so in Worte fassen konnte und so ein Plädoyer für das Leben hält. Es gibt sie noch diese Menschen, die Menschsein leben.