Panger Str. Tempo 30

Auf Rosenheim 24 erschien ein Artikel mit folgendem Titel:

„Muss erst etwas passieren?“: Warum in der Panger Straße vorerst kein Tempo 30 kommt

Hieraus einige Passagen:

„In einem Antrag an Oberbürgermeister März forderten die Sozialdemokraten eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h für die Panger Straße zwischen der Einmündung Am Wasen bis zum Kreisverkehr Aising. „Die ehemalige Gemeinde Pang wird in den vergangenen Monaten vermehrt vom Lkw-Transitverkehr aufgesucht“, hieß es in dem Schreiben. Neben der Lärmbelästigung bestünde auch eine Gefahr für Fußgänger und Radfahrer. „Schließlich verfügt die Ortsdurchfahrt Pang weder über einen markierten Radweg noch über einen Schutzstreifen. Der Radverkehr ist somit relativ ungeschützt“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Abuzar Erdogan bereits in der Vergangenheit. Helfen würde ihm zufolge neben einem Durchfahrtsverbot für Lkw auch eine Geschwindigkeitsbeschränkung. …

Allein das Fehlen von Radverkehrsanlagen ist als Begründung für die Anordnung einer Geschwindigkeitsbegrenzung nicht ausreichend“, heißt es aus dem Rathaus. Auch das Argument der SPD, dass sich direkt an der Straße ein Kindergarten befindet, ändere nichts an der Situation. Denn Grundlage hierfür müsste sein, dass sich der Zugang zum Gebäude direkt an der Straße befindet. Im Fall des Kindergartens an der Panger Straße sei aber der Zugang zum Gebäude von der Straße circa 25 Meter abgerückt. Vor dem Gebäude finden sich zudem Parkmöglichkeiten, die von Eltern zum Bringen und Holen der Kinder zur Verfügung stehen.

Damit Entscheidungen wie diese in Zukunft einfacher getroffen werden können – auch ohne Gefahrenlage – hat sich der Deutsche Städtetag Medienberichten zufolge dafür eingesetzt, dass Tempo 30 von Kommunen eigenmächtig eingeführt werden kann. „Städte, die dies wollen, sollten auch ein generelles Tempolimit von 30 Kilometer pro Stunde anordnen können und nur auf ausgewählten Hauptverkehrsstraßen Tempo 50 oder eine andere Geschwindigkeit zulassen“, wird der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, zitiert. Er forderte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) auf, das Verkehrsrecht entsprechend anzupassen.“

Einge der Aussagen von den politisch Verantwortlichen und auch den sonstigen Entscheidungsträgern sind schon bemerkenswert. Vermutlich ist keiner der Personen je auf dieser Straße mit einem Fahrrad gefahren, denn sonst würde weder so gedacht noch so entschieden und argumentiert.

Als Anwohner der Straße habe ich hier einen gezielten Einblick in die Situation und erlaube mir einige Anmerkungen. Es ist faktisch so, dass mindenstens die Hälfte der Radfahrer am Bürgersteig fahren, wo sie eigentlich so sie denn keine Kleinkinder sind gar nicht fahren dürfen. Sie begehen faktisch eine Ordnungswidrigkeit. Dazu kommt, dass jede Ein- und Ausfahrt eine Gefahrenquelle darstellt. Aber warum tun sie es dann überhaupt? Und genau diese Frage sollten sich die Verantwortlichen einmal stellen.

Fakt ist, der Verkehr auf der Panger Str. ist gigantisch. Also die Anzahl Fahrzeuge pro Zeiteinheit. Das hat zur Folge, dass ein Radfahrer eigentlich eher selten mit dem geforderten Abstand von 2 Metern korrekt überholt werden kann, denn sonst würde der Autofahrer sehr häufig die Geschwindigkeit des Radfahrers auf der gesamten Strecke einhalten müssen. Somit ist fast jeder Überholvorgang eines Radfahrers verkehrswidrig. Interessiert aber keine Behörde, keine Polizei und keine Politik.

Das eng überholt werden löst widerum bei nicht wenigen Radfahren ein Gefühl der Unsicherheit aus, was dann dazu führt, dass sie sich sicherer am Fußweg fahrend fühlen. Was aber nun nicht die Lösung sein kann.

An der Gesamtsituation lässt sich sehr gut erkennen woran es krankt. Die Politik in Rosenheim und natürlich auch anderswo ist mehrheitlich dem automobilen Wahnsinn verfallen. Niemand will es sich mit der Autofahrer Lobby verderben. Niemand traut sich den Autofahrern zuzumuten auch mit Tempo 30 länger durch eine Ortschaft zu fahren um vielleicht auch zu demonstrieren, dass der Radfahrer auch seine Berechtigung hat und ihm mindestens ebenso gute Bedingungen geschaffen werden voranzukommen. Ganz zu schweigen davon, dass jene Fortbewegungsart auch noch wesentlich ökologischer ist.

Ein konkretes Beispiel:

Mir ist ein Kollege bekannt, der von Kolbermoor täglich durch Pang/Aising nach Raubling pendelt. Warum nutzt er nicht die Umgehungsstraße B15a und die Autobahn? Weil es bequem und annähernd gleich schnell ist. Wäre jedoch die Straße innerorts auf Tempo 30 beschränkt und würden sich mehr Radfahrer auf die Straße trauen und die Autofahrer müssten durch mehr Überwachung sich davor fürchten, bei zu engem Überholen zur Rechenschaft gezogen zu werden, mann7frau könnte quasi zur Überlegung gezwungen werden, die breite Umgehungsstrecke zu befahren. Dafür ist sie schließlich da. Innerorts wohnen Menschen, am Standstreifen der Autobahn eher nicht. Aber so ist das mit dem Beton in den Köpfe von Autofahrern.

Von dem Wahnsinn 1700 kg zu nutzen um 80 kg zu bewegen und den vermeidbaren Kosten ganz zu schweigen. Jammern über die hohen Lebenshaltungskosten, die Inflation, den hohen Benzinpreis geht immer, aber selbst sich an die eigene Nase zu fassen bleibt ein schwieriges Unterfangen.