Osama Bin Laden tot: die Reaktionen

Nicht die Nachricht vom Tod Osama Bin Ladens ist das eigentliche Ereignis welches es sich zu kommentieren lohnt. Es sind die dadurch ausgelösten Reaktionen.

Man muss den Tod dieses Mannes nicht bedauern. Es ist gut das ein Gefahrenherd nicht mehr existiert. So oder so ähnlich hätte man sich erklären können, als staatstragender Politiker mit westlich christlich geprägten Wertekoordinaten.

Beim Tod eines Menschen jedoch Freude zu empfinden und dies auch noch exakt in dieser Wortkonstellation zu artikulieren (u.a. Horst Seehofer, Angela Merkel), dass ist dann schon eine Grenzüberschreitung. Auf der Strasse laut jubelnd einem Akt der Rache – nicht des Rechts – zuzustimmen befremdet.

„Viel bildet sich der christlich geprägte Westen ein auf seine zivilisatorische Überlegenheit den islamischen Ländern gegenüber. Doch das, was gerade in den USA geschieht, vermittelt einen anderen Eindruck. Wenn US-Amerikaner den Tod Bin Ladens mit Tänzen und Sprechchören feiern, graust es den hiesigen Betrachter – der Jubel wirkt befremdlich, weil er uns zeigt, dass die US-Gesellschaft uns fremder ist, als es scheinen mag.

„In God we trust“ steht auf jeder US-Dollar-Note, doch dieser Gott ist nicht der verzeihende, christliche Gott – sondern der rachsüchtige aus dem Alten Testament. Hierzulande gilt Resozialisierung als Ziel von staatlicher Strafe – in den USA ist es die Vergeltung, bis hin zur Todesstrafe.

Dass die Todesstrafe, wie bei Bin Laden, auch ohne Prozess verhängt werden darf, wenn nur das Verbrechen und der Zorn darüber groß genug sind, und dass ihr Vollzug euphorisch gefeiert wird, belegt, wie tief die „Auge um Auge“-Ideologie in der US-amerikanischen Gesellschaft verwurzelt ist. Die Rachsucht mag mächtig sein – moralisch überlegen ist sie nicht. …“

Einen Christen muss die Frage beschäftigen, wie eine solche Tat in Einklang mit dem fünften Dekaloggebot zu bringen ist.

Um einen historischen Bezug herzustellen, verweise ich auf eine Situation am Ende des zweiten Weltkriegs.

Die USA fühlen sich seit 10 Jahren im Krieg mit Bin Laden. Diese Situation existierte auch im zweiten Weltkrieg u.a. in Bezug auf Deutschland. Ohne den historisch schwierigen direkten Vergleich bestimmter Taten zu bemühen lässt sich feststellen, Himmler, Göring und die ganze andere Nazi-Entourage waren sicher genauso belastet mit zu verantwortenden Tagen wie Bin Laden.

Dennoch wiederstanden die Amerikaner der (optionalen) Versuchung, nach dem Aufgreifen der noch verbliebenen Nazis diese kurzerhand alle zu liquidieren. Bereits vorher hatten sie sich entschieden, diese vor einem internationalen Millitärtribunal strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen (Nürnberger Prozesse).

Wieso war also die Gefangennahme und Überstellung Bin Ladens an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag scheinbar nie das klar artikulierte Ziel der USA? Wo liegt der fundamentale Unterschied der beiden Situationen der größer sein muss als die Auffindbarkeit der Personen?

Man hat mit den Nürnberger Prozessen eine Chance genutzt, begangenem Unrecht nicht mit Rache und Aggression zu begegnen sondern durch Rechtsstaatlichkeit den erfolgreichen Versuch gemacht, Versöhnung zwischen Völkern zu stiften.

Ob die Wahrheit über die Kommandoaktion die zum Tod Bin Ladens geführt hat je vollständig ans Licht gelangt lässt sich noch nicht sagen. Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich alle denkbaren Schlüsse ziehen, alle Konstrukte sind denkbar.

Heribert Prantl kommentiert es in der SZ prägnant:

„Welches Gesetz deckte die Erschießung Bin Ladens? Die Rechtsprechung der USA verlangt vor der Todesstrafe einen Prozess. Rechtsstaatliches Recht verbietet jegliche Exekution. Das Kriegsvölkerrecht deckt die US-Aktion auch nicht. Die Entscheidung, den Terrorpaten zu töten, war eine politische.
…“

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  1. Und nicht vergessen: Merkel und Seehofer sind Vorsitzende einer CHRISTLICHEN Partei und damit oberste Vertreter christlicher Werte, so sie denn nicht nur Makulator und schmuckes Beiwerk im Namen sein sollen!

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