Zunächst die Ausgangslage der Fakten die sich aufgrund eines Treffens im Herbst 2019 so dargestellt hat:
Bis letzte Woche gab es außer diesen Informationen keinen Hinweis auf das weitere Schicksal. Die Cousine meiner Mutter hat einen Nachforschungsauftrag bei DRK gestellt und aus der Antwort erschließen sich nun neue Fakten.
Meine Mutter hat von meiner Oma früher die Aussage vernommen, er hätte einen Zug vermutlich mit Verletzten falsch priorisiert und sei möglicherweise deshalb strafversetzt worden. Einen schriftlichen Beleg hierfür gibt es nicht.
Das steht im Einklang mit den Angabe der Einheit Grenadier Bataillon 540 in der sein letzter Aufenhalt im September 1944 in Zusammenhang steht.
Grundsätzlich etwas zu Strafbataillonen, Strafkompanien, Bewährungsbataillonen etc.
Das Bataillon 540 trug den Zusatz z.B.V., das bedeutet zur besonderen Verwendung. Offiziell galt die Bezeichung Bewährung aber umgangssprachlich waren es die Strafbataillone. Juristisch gab es jedoch einen Unterschied, denn die namentlichen Strafbataillone wurden aus Straftätern rekrutiert, also faktisch Männern die eine Straftat begangen hatten und dafür verurteilt wurden.
Bekannt ist das Strafbataillon 999 das ein im Oktober 1942 aufgestellter Sonderverband des Heeres der deutschen Wehrmacht war. Es gehörte zu einem Gesamtsystem von Bewährungseinheiten, das den Militärstrafvollzug in den Dienst der Kriegsführung stellte. Allerdings bestand dieses 999er Bataillon aus Wehrunwürdigen Männern und dies stellt einen wesentlichen Unterschied zu den 500er z.b.V. Bataillonen dar. Über diese Einheit 999 gibt es einen Film aus dem Jahr 1960:
Es existieren Bilder als mein Urgroßvater in Uniform, vermutlich beim Heimaturlaub, bei der Familie in Breslau weilt. Den Zeitpunkt hierzu müsste ich nochmals nachforschen. Möglicherweise gab es zu dem Vorgang der Strafversetzung und der gesamten Chronologie Feldpostbriefe, die jedoch nicht überliefert sind und wohl in Breslau verblieben sind.
Das bedeutet, der chronologische Verlauf seiner Stationen ist lückenhaft.
Es gibt ein sehr umfangreiches Buch von Hans Peter Klausch zu der Bewährungstruppe 500:
Da ich das Buch selbst nicht besitze kann ich nichts über den Inhalt weitergeben.
Das Infanterie bzw. Grendier Bataillon 540 z.b.V war grundsätzlich Teil des II. Armeekorps, das wiederum Teil der 18. Armee war.
Hier ein grundsätzlicher Überblick über die Geschehnisse 1944/45 des II.Armeekorps:

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/II._Armeekorps_(Wehrmacht)
In dem DRK Gutachten werden die Abläufe der Kriegshandlungen vom September 1944 sehr detailliert dargestellt. Nähere bzw. weitere Informationen haben meine Recherchen nicht aufgetan.
Hier eine Detailkarte mit den Orten Walk (Valka), Ergeme und Daksti die auch im Gutachen erwähnt sind:

Quelle: https://www.openstreetmap.org/#map=12/57.7778/25.7770
Hier im größeren Zusammenhang:

Quelle: https://arge-baltikum.de/assets/img/sammelgebiet/ostland01.jpg
Das DRK Gutachten datiert vom 09.07.1973 und wurde am 20.03.2025 bestätigt (inhaltlich wohl unverändert).
Die Fragen die derzeit offen sind:
Wer hat das Gutachten 1973 erhalten und wo ist das Original? Da meine Mutter nach dem Tod meiner Oma die meisten Unterlagen erhalten hat wäre es plausibel es dort zu vermuten. Wir sind uns aber sehr sehr sicher das es dort nie war und auch nicht ist. Lt .derzeitigem Infostand kennt weder meine Mutter noch Onkel Manfred jenes Gutachten. Sollte es an meine Oma gesandt worden sein, wenn hat sie darüber informiert bzw. wenn niemanden, warum?
Was ebenfalls vermutlich unaufklärbar bleiben wird ist der Grund bzw. das Urteil welches getroffen wurde und die Grundlage der Strafversetzung meines Urgroßvaters war. Hier klafft eine chronologische Lücke von seiner Station in Rshew bis zu seinem Tod im September 1944.