Migranten – Asylsuchene und die angebliche Gewaltkriminalität

In diesem Beitrag

habe ich die Grundlagen zum Verständnis gelegt, um die Thematik von Anzahl Migranten bzw. Asylsuchenden und dem Zusammenhang zur angeblich stark gestiegenen Gewaltkriminalität in Deutschland zu verstehen.

Kurz gesagt, die Tatsache dass medial von den Taten von Solingen, Magdeburg und Aschaffenburg etc. so umfänglich berichtet wird macht in uns etwas. Nämlich dass wir die Informationsflut kognitiv so verarbeiten, dass uns über die Verfügbarkeitsheuristik ein Lagebild verinnerlicht wird, welches einer Faktenlage nicht standhält. Daher zu den Fakten:

Die Zahl der Tötungsdelikte (Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen, Kindestötung, fahrlässige Tötung und strafbare Schwangerschaftsabbrüche) pro 100.000 Einwohner ist nicht stark angestiegen. Sie lag laut polizeilicher Kriminalstatistik  im Jahr 2021 bei 3,6, in den Jahren 2022 und 2023 bei 3,7. Das sind die niedrigsten Werte der vergangenen 30 Jahre.

Richtig ist: Die Zahl der Gewaltdelikte, die auch Körperverletzungen (fast drei Viertel der Fälle) und Raubdelikte (21 Prozent der Fälle) umfasst, ist 2022 und 2023 – nach dem offiziellen Ende der Pandemie – stark gestiegen . Sie ist aber immer noch weit weg von einem Höchststand. 2007 regierte die Union mit der SPD. Damals wurden fast 4000 Gewaltdelikte mehr gezählt als 2023. Bei wesentlich weniger Menschen in Deutschland. Eine »Notlage« herrscht aktuell also keineswegs.

In den Jahren 2002 bis 2012 wurden hierzulande zusammengenommen 4094 Menschen ermordet . Von 2013 bis 2023 waren es insgesamt 3385, also 709 Opfer weniger als in den zehn Jahren davor. Obwohl im zweiten Zeitraum die Bevölkerung um mehr als drei Millionen Menschen wuchs, viele davon Geflüchtete aus Syrien und der Ukraine.

Die Zahlen der Fälle von Totschlag und Tötung auf Verlangen (leider weist die Statistik diese Zahlen nicht getrennt aus) schwanken, am höchsten war die Zahl in den vergangenen zehn Jahren 2016 (2066 Opfer) und 2020 (1994 Opfer). 2023 lag sie bei 1842, also wiederum weit von einem vermeintlichen Höchststand entfernt.

Und jetzt zu einem wichtigen Punkt:

„Bis Anfang 2023 lag die Anzahl der Menschen, die den Themenkomplex »Ausländer, Migration, Flüchtlinge« für das »wichtigste Problem in Deutschland« hielten, immer irgendwo zwischen neun und elf Prozent . Dann begannen Friedrich Merz (»kleine Paschas«, »Die lassen sich die Zähne machen« ) und Jens Spahn (»mit physischer Gewalt aufhalten«), das Thema intensiv zu bespielen. Am 27. September 2024 hielten 42 Prozent Migration für das wichtigste Problem. Das ist keine Veränderung der Realität, sondern eine Veränderung der Realitätswahrnehmung. Die Verfügbarkeitsheuristik tut ihr Werk. Die AfD freut sich.“

Wir gehen also der Nazipropaganda aber auch der unredlichen Stimmungsmache von CDU/CSU auf den Leim. Und selbstverständlich sage auch ich, die vorhandenen Probleme der Migration, der Asylverfahren etc. müssen angegangen werden.

Ich wehre mich nur dezidiert gegen diese Instrumentalisierung eines getöteten Kindes in Aschaffenburg von Merz und Söder. Warum soll dieser eine Mensch nun den Unterschied machen?

Daher frage ich Merz und Söder:

2023 wurden 938 Mädchen und Frauen Opfer von versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten: Wird das 939. Opfer eines Femizides ebenfalls von Ihnen medial so aufgearbeitet wie Aschaffenburg und welche konkreten Maßnahmen schlagen sie vor dem Einhalt zu gebieten?

Lt. BKA sind die Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten was die Tatverdächtigen anbelangt überwiegend deutscher Staatsangehörgkeit. Werden sie sich wenn auch nur noch eine weitere solche Straftat bekannt wird auch so vehement medial in Szenen setzen wie nach Aschaffenburg? Was ist ihr Plan und Konzept zur Reduzierung gegen Frauen gerichteter Straftaten?

Was würde passieren wenn noch ein weiteres Kind oder ein Radfahrer im Straßenverkehr durch einen Autofahrer zu tode kommen? Ein Heute spezial in dem sie sich gegen den Gebrauch von tonnenschweren und hochmotorisierten Kraftfahrzeugen in Innenstädten aussprechen? Die Forderung nach flächendeckendem Tempo 30 in Innenstädten?