Das Unternehmen war so oder so zum Scheitern verurteilt.
Wobei das zweite „so“ mir erst später mit reiflich mehr Erfahrung in Nepals Bergwelt klar wurde. Dazu später mehr.
Letztlich ist es aber auch extrem wertvoll im Leben Träume zu haben und zu versuchen diese umzusetzen. Im Scheitern ist oft ein größerer Gewinn an Erkenntnis und Erfahrung als in einem leicht erzielten Erfolg.
Hier nochmal eine Bilderserie von einer Kleinexpedition die auch zum Ziel hatte East Col und West Col zu überschreiten und auch scheiterte:
http://journals.worldnomads.com/baba/photos/26680/Nepal/Ice-Col-Trek
Das erste „so“ ist relativ einfach erklärt. Meine Akklimatisation am Makalu Base Camp, bedingt durch den chaotischen Aufstieg von Tumlingtar und die schwieriger als erwartet eingetretenen Witterungsumstände machte einen Weitermarsch völlig unmöglich.
Am Makalu Base Camp angekommen und von meinem Sherpa Guide und Träger allein zurückgelassen war ich kaum vernünftig an die Höhe adaptiert. Dies weil wir viel zu schnell an Höhe gewannen. So sind wir nach dem Camp in Mumbuk auf ca. 3500 Meter mit nur einer weiteren Übernachtung auf ca. 4200 Meter auf 4800 Meter zum Makalu Base Camp aufgestiegen. 1300 Höhenmeter in zwei Tagen. Das kann nicht funktionieren. Und das dann tagsüber auch noch in Renngeschwindigkeit.
Da der Träger wg. fehlender Sonnenbrille (Schuld der Trekking Organisation) auf der Etappe von Kongma nach Mumbuk schneeblind wurde konnte nicht wie abgesprochen vorgegangen werden. Geplant war, dass ich im Basislager noch ein paar Tage voll verpflegt werde, also mich um nichts kümmern muss. Auch war meine Eigenverpflegung nur für den Zeitraum ab dem Basislager kalkuliert.
Zurückgelassen haben mir die beiden aber nur ein paar Krümel und das ich evtl. bei der im Basislager unweit befindlichen russischen Expedition Verpflegung erhalten könnte erwies sich als Luftnummer. Wegen der Schneeblindheit haben die beiden meine Sachen einfach am Basislager abgestellt und sind förmlich postwendend wieder hinabgerast.
Als Hauptmahlzeit hatte ich damals Pemmikan. Das ist ein Kaltgericht auf Fettbasis. Fett besitzt die höchste Energiedichte von allen Nahrungsstoffen. Das war der eigentliche Grund. Möglichst viel KJ pro Gramm Lebensmittel. 50 g Fett auf 100 Gramm Pemmikan. Es ist fast so als würde mann gewürzte Butter blank essen. Das ganze ist reichlich gewöhnungsbedürftig und die Gewohnheit zeigte nach einigen wenigen „Genusstagen“ mehr Brechreiz als Essreiz. Das ganze stelle man sich bitte natürlich draussen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt vor.
Dazu kam, dass die Packungen alle fettverschmiert waren. Die Hände dann auch. Das Händewaschen aber ohne fließend Wasser (der Bach war ca. 500 Meter entfernt und ebenfalls eiskalt mal abgesehen von dem allnachmittäglichen Schneesturm der mich im Zelt festhielt) ging nicht. Ein Erlebniss.
Danach habe ich später Pemmikan bei keiner weiteren Expedition mehr eingesetzt.
Hier eine sehr informative Seite zum East und West Col:
http://www.himalaya-info.org/westcol_ostcol.htm
Die Karte dort gibt einen guten Überblick.
Ein Tagesausflug vom Makalu Base Camp führte mich in Richtung Aufstieg East Col. Wobei ich eigentlich den Weg verfehlte und dies erst später bemerkte, also ich den Weg weit unter mir im Tal verlaufend sah, während ich auf der linken Hangseite aufstieg.
Und natürlich war gar kein einziger Mensch zu sehen der Orientierung hätte geben können. Ich kam schnaufend bis auf ca. 5100 Meter und machte kehrt.
Im nächsten Beitrag dann die Erläuterung des anderen „so“.