Bereits im Februar habe ich Kunde ins Land gestreut, was das Kühtai Rodeo anbelangt:
Nun bin ich also ein Kühtai-Cowboy. Seit gestern. Und das kam so:
Mein Plan war es, eine Testfahrt für das Kühtai Rodeo durchzuführen, dergestalt, dass ich den Haimingerberg erstmals fahren wollte, danach vom Kühtai runter nach Kematen und danach wieder das ganze retour. Das sind insgesamt 3083 Höhenmeter meiner Berechnung nach (1486 HM Haimingerberg, 1407 Höhenmeter von Kematen, 190 Höhenmeter Ochsengarten-Sattele). Eine recht stattliche Zahl und schonmal kein Klacks.
Am Samstag den 10. Juli bin ich früh um 7 h nach Ötztal Bahnhof gefahren, in einer Seitenstraße von wo ich bereits letztes Jahr zum Kühtai gestartet bin habe ich das Auto abgestellt. Bei 18 Grad ging es ca. 9 Uhr los (ärmelloses Trikot, grün-weisses Karlsfeld Trikot, Nicewin kurze Radhose). Nach 5 Minuten erreichte ich den Kreisverkehr auf der B171 mit dem Abzweig zum Sattele. Von da ab ging es ohne wirkliches Einrollen 1000 Höhenmeter ohne jegliche Pause hoch. Die Steigung ist stets im 2-stelligen Bereich, kein Tritt kann ausgelassen werden:
https://www.quaeldich.de/paesse/kuehtaisattel/profile/nordanfahrt-ueber-den-haimingerberg/
Der Tacho pendelte zwischen 6 und 7 km/h, Übersetzung 36/28, also erster Gang. Ich kurbelte konstant, nicht am Limit denn das war nur ein Teil des gesamten Tagespensums. Dennoch war es hart den Pausen gibt es genau keine einzige. So geht es 8 Kilometer aufwärts, danach wird es ein wenig flacher bis zum Sattele (Auffahrtzeit: 1:23 h).
Dann 190 Höhenmeter hinunter nach Ochsengarten. 2 Kilometer fast flach und dann kommt ein hammerharter Kilometer. Erst ca. 300 Meter nach einer Bachquerung steil aufwärts, dann bei gleichbleibender Steigung durch eine Lawinengalerie und danach nochmal weiter steil aufwärts.
Ich kannte die Stelle schon von meiner ersten Kühtai Auffahrt vom September 2020, daher war ich gewarnt. Der Rest ist ein Mix aus flacheren Stücken und Aufschwüngen, schön zu fahren. Ich hielt mich bewusst zurück, wenngleich dies dazu führte dass andere Rennradler mich überholten. Oben am Kühtai war ich nach 2:12 h und 21,2 km. Eigentlich hatte ich mit ca. 1:45 h gerechnet, war dann doch deutlich langsamer. Es gab zur Belohnung ein Gel.
Die Abfahrt nach Kematen ohne Druck, sehr kontrolliert und eher langsam. Teilweise wurde der Teerbelag zwischenzeitlich erneuert, was es besser rollen lässt. Was ich noch gemacht habe war eine Blinkleuchte als Rücklicht anzubringen mittels Kabelbinder. Vor den Galerien im unteren Bereich der Abfahrt nach Sellrain habe ich es eingeschaltet. Gesamtzeit bis Kematen: 2:55 h und 44,9 Kilometer. Das ist gerade mal ein 15er Schnitt. Ein weiteres Gel wurde inkorporiert.
Kehrtwende und wieder aufwärts. Die Steigung ist moderat bis Sellrain, viel mehr tut sich auch bis Gries im Sellrain nach 11 Kilometern Anstieg nicht. Dort pausierte ich auf einer Bank.


Danach am Ortsausgang wartet ein weiterer fieser Kilometer:

So ein Kilometer bei 6 km/h Geschwindigkeit zieht sich gewaltig. Die 20 Prozent sind es wohl nicht, aber auch 16 Prozent reichen völlig. Danach gibt es auch kurze Passagen zum durchschnaufen. Es geht dann über Sankt Sigmund im Sellrain kontinuierlich aufwärts. Wenn die Lawinengalerien in Sichtweite kommen wird es etwas flacher und ab da ist die Steigung gemäßigt und wird nach Ende der Galerien eher flacher.
https://www.quaeldich.de/paesse/kuehtaisattel/profile/ostanfahrt-von-kematen/
Oben angekommen nach einer Auffahrtszeit von 1:52 h (Gesamtzeit 4:47 h).

Eigentlich war der Job damit erledigt, ein kurzer Zwischenanstieg und sonst nur Abfahrt. Aber in mir nagte der Zweifel ob ich nochmal so motiviert sein würde es bis genau zu dieser Stelle zu schaffen um dann die dritte Auffahrt von Oetz zu machen. Gerade der Haimingerberg ist einfach mental hart. Als Goodie gab es einen Müsliriegel.
Also habe ich mir folgendes Konstrukt zurechtgezimmert. Ich fahre nach Oetz ab, geht es mir unten nicht gut kann ich über die normale Straße rauswärts bis Ötztal Bahnhof fahren ohne etwas verloren zu haben. Wenn nicht kann ich unten umkehren und nochmal hoch.
Die Abfahrt war besser als die nach Kematen, es lief flüssiger, dennoch blieb ich insgesamt vorsichtig. Ich habe dann bei Au mein letztes Gel reingezwickt. Unten in Oetz habe natürlich gemerkt dass der Mehltau meine Beinchen ergriffen hat. Dennoch habe ich nicht wirklich überlegt das Ding jetzt zu beenden. Leider habe ich vergessen auf die Uhr und den Tacho zu sehen. Die Abfahrt war wohl ca. 30 Minuten.
Also nun der dritte Anstieg des Tages. Es lief eigentlich brauchbar, Au, Taxegg und Mühlau ließ ich hinter mir.
https://www.quaeldich.de/paesse/kuehtaisattel/profile/westanfahrt-von-oetz/
Danach folgt eine recht lange Gerade mit stetiger Steigung die aber noch im machbaren Bereich war. Danach folgen noch 6 Serpentinen, die liefen auch noch ohne wirkliche Probleme. Dann kam Ochsengarten und ich wusste das war es jetzt fast.



Der letzte kleine 1,5 Kilometer Aufstieg bis zum Sattele auf 1690 Meter ging dann auch noch irgendwie. Aber wie in den Bergen, gewonnen hat mann erst wenn mann unten angekommen ist. Daher dann nochmal volle Konzentration auf die Abfahrt. Zum Glück ist der Verkehr hier kaum vorhanden, wenngleich stetes Bremsen hier angesagt ist. Das lässt die Fingerchen natürlich irgendwann verkrampfen. Unten beim Kreisverkehr wusste ich das ich es geschafft hatte. Auf den letzten 2 Kilometern wurde ich dann auch kurzzeitig emotional als ich realisierte das mein Traum in Erfüllung gegangen war.


Fakten:
109,5 km, 6:55 h, 3763 Höhenmeter
3 Gels und ein Riegel, 2 x 0,7 Liter Isoplörre
Hinweis: ja mir ist bewusst das eigentlich der Aufstieg Ochsengarten – Kühtai von Oetz bei mir fehlt. Diese 500 Höhenmeter habe ich mir geschenkt. Wäre dieser eine Kilomter mit den ca. 18 Prozent nicht kurz hinter Ochsengarten, ich hätte es vielleicht versucht, so war es mir an diesem Tag einfach zuviel. Mir aber egal, ich bin mein eigener kleiner Held! Und nein, ich habe keine Pläne dies im Original Modus nochmal zu machen. Einmal und nie wieder. Die Verhältnisse waren einmalig gut gestern, 29 Grad um 17 Uhr nach der Rückkunft, oben am Pass angenehm und die Abfahrten ohne wirklich viel Wind im kurzen Trikot machbar.