Noch in meiner Kindheit gab es regelmäßig Innereien auf dem Speiseplan meiner Eltern. Heute sind solche Gerichte wie „saure Lunge“ oder „Blutwurst“ fast vergessen.
In einem Spiegel Interview äussert sich ein Ethnologe zu Esskulturen und Esstraditionen.
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Das sind die absurderen Seiten der Globalisierung. Auch in Thailand lassen sich deutsche Gerichte finden, teilweise in einer abenteuerlichen Interpretation. Schweinshaxe ist enorm beliebt. Gelegentlich wird sie in kleine Scheiben geschnitten, in einen sehr scharfen sauren Sud eingelegt und mit Koriander serviert, als Variante des landestypischen Gerichts Tom Yam. Frankfurter Würstchen werden mit Seafood als sehr scharfer Salat verspeist. Auch Laugenbrezeln, in einer süßlichen Variante, sind sehr populär. Generell fällt auf, dass im Ausland einige wenige bayerische Gerichte als deutsche Küche gelten.
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Ich habe den Eindruck, dass Kochshows Ersatzhandlungen sind: Man schaut zu und schiebt die Tiefkühlpizza in den Ofen. Gerade bei uns haben Nahrungstabus stark zugenommen. Unsere Kultur kennt immer mehr Meidungen. Wer isst noch Innereien? Immer mehr Menschen essen immer weniger Teile von Tieren. Wir essen zwar gelegentlich sogar Bison, Strauß, Känguru und Alligator. Aber nur Teile des Muskelfleisches, Schinken, Filet und Kotelett. Versuchen Sie in der Frischfleischabteilung mit den dort käuflichen Fleischteilen ein Tier zusammenzusetzen. Die klaffenden Lücken zeigen die neuen Nahrungstabus. …“