Und immer wieder rasen junge Männer in den Tod

Niederbayern beschäftigen aktuell zwei Verkehrsunfälle mit Todesfolgen.

Der erste liegt bereits einige Monate zurück und ereignete sich im Mai 2011 bei Freyung.

„Freyung. Ein schreckliches Bild bot sich gestern Nachmittag den Einsatzkräften auf der B12 nahe Freyung: Bei einem Unfall mit zwei Fahrzeugen starb ein junger Mann sofort, drei weitere Insassen wurden lebensgefährlich verletzt, zwei von ihnen erlagen später ihren Verletzungen.

 Nach ersten Erkenntnissen der Polizei Straubing geriet gegen 14.40 Uhr das Fahrzeug eines 22 Jahre alten Autofahrers aufgrund überhöhter Geschwindigkeit ins Schleudern und kollidierte mit dem entgegenkommenden Klein-Lkw eines 71-Jährigen aus dem Landkreis Günzburg. …“

Der Unfall hat damals bereits zu heftigen Diskussionen geführt, weshalb die Redaktion der PNP später die ganzen Kommentare löschte. Ein oft gemachter Vorwurf damals bezog sich auf die Fahrweise des jungen Unfallverursachers, die kritisiert wurde. Sog. Freunde des Mannes äußerten sich damals so, als könne niemals Raserei bei dem jungen Mann im Spiel gewesen sein. Er sei so nett gewesen.

Vor einigen Tagen liegen die Fakten lt. einem staatsanwaltschaftlichen Gutachten vor. Der Unfallverursacher fuhr mit einer Geschwindigkeit von mehr als 160 km/h. Bundesstraße wohlgemerkt.

Und wieder wird diskutiert. Ich bin noch nie mit so einer hohen Geschwindigkeit auf einer Bundesstrasse gefahren. Viele andere Verkehrsteilnehmer auch nicht. Eine solche Geschwindigkeit wird nicht zufällig erreicht durch eine kurze Unaufmerksamkeit. Nein, so zu fahren ist schlicht vorsätzlich. Deshalb ist es auch unangebracht wie einige meinen, diesen Unfall damit zu relativiern, dass jeder schließlich Fehler mache.

Der entscheidende Unterschied zur Binsenweisheit, dass der Mensch fehlerbehaftet handelt und dem hier verursachten Unfall ist exakt der Unterschied zwischen Fahrlässigkeit und Vorsatz. Das was gemeinhin entschuldigt werden könnte ist das was jedem von uns passieren kann: ein Fehler. Aber es war vom Unfallverursacher kein „Fehler“ die Geschwindigkeit bis über die 170er Tachonadelmarke (jeder Tacho geht „vor“, für faktische 160 km/h muss also der Tacho mehr angezeigt haben) zu treiben, es war eine bewusste Entscheidung dies zu tun.

Das tragische aus meiner Sicht ist hier, dass zwei weitere Menschen, völlig Unschuldige, involviert sind. Eine Person kam zu Tode, eine weitere wurde schwer verletzt. Während sich alles auf die jungen Menschen konzentrierte wurden die beiden ältern Menschen medial an den Rand gedrängt. Zu unrecht. Niemand gibt dem 71-jährigen Mann seine Frau wieder. Er wird ein Leben lang gezeichnet sein. Psychologisch sind natürlich so alte Menschen nicht gut zu „vermarkten“. Wenn der Raser 2 Kleinkinder samt Mutti getötet hätte wäre der Aufrschrei rießig.

Einen absolut zutreffenden Kommentar eines Lesers stelle ich komplett vor:

„von Verkehrsteilnehmer am 03.09.2011 15:09 Uhr: Es kommt vor, dass Menschen zwei (oder mehr) Seiten haben. Der zivilisatorische
Anspruch ist jedoch, seinen negativen Hang so unter Kontrolle zu haben, dass
man keinen Dritten ernsthaft schadet.
Das sollte man bereits als Kind lernen und als Erwachsener immer weiter einüben.
Autofahrer heisst in erster Linie für die anderen und sich Verantwortung tragen.
Weil die Folgen unverantwortlichen Handelns gerade im Strassenverkehr so
katastrophal sein können, wiegt dieses umso schwerer. 160 km/h statt 100 km/h
ist halt kein Kavaliersdelikt, sondern es ist kriminell. Es hilft den Opfern nicht,
dass ein so schuldig Gewordener sonst ein lieber Kerl gewesen ist. Das Beste, was seine Freunde im Gedenken an ihn machen können: anständig fahren!
Es stimmt wenig hoffnungsvoll, wenn schon wieder das Totschlagargument
angeführt wird: „Jeder macht einen Fehler“. Wer so wenig differenziert, will
sich nicht ändern“

Wie wenig lernfähig jedoch junge Männer tatsächlich sind, zeigt ein Unfall von heute morgen mit zwei Toten nach einem Straßenrennen.

„Tödliches Ende eines nächtlichen Autorennens unter jungen Freunden: Zwei 22 Jahre alte Männer sind am frühen Dienstagmorgen in Trostberg (Landkreis Traunstein) bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Nach den bisherigen Ermittlungen hatten sich drei Gleichaltrige aus der oberbayerischen Stadt zu einem privaten Rennen verabredet. …“

Was würde helfen? Zulassungsbeschränkungen für junge Fahranfänger 18-25 Jahre? Bringt nichts, wenn die Karren auf Mutti und Vati zugelassen sind! Fahrerlaubnis bis 25 Jahre auf z.B. 100 PS begrenzen? Das könnte ein Modell sein, es scheint schließlich auch bei Motorrädern zu funktionieren.

Natürlich kann man auch mit einer kleinen Kiste nicht STVO-konform fahren. Mir jedoch hätte allein schon leistungsmäßig lange Twingo-Zeit die Option gefehlt, überhaupt 160 km/h zu erreichen.

Also liebe Eltern junger hormongetriebener Männleins: nehmt Eure Söhne ins Gebet, Gespräch und was auch immer hilft. Aber lässt es nicht einfach so geschehen, als sei es ein Naturgesetz, es ist keines. Und an alle jungen Mädchen. Lasst die Jungs die einen mit viel PS-geprotze auf dicke Hose machen einfach stehen. Lasst Euch davon nicht beindrucken. Wie wärs zur Abwechslung mal mit einen Radfahrer oder Triathleten…:DD…die haben oft neben Muckis sogar noch Grips :))

Schreibe einen Kommentar