Im Trend: der private Virus

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Wer aktuell im Trend sein will muss Virus tragen. In Zeiten der asozialen Medien bekommt der Begriff „Influencer“ dabei einen ganz neuen Drive.

Und natürlich bin ich dabei, nur eben nicht als Trittbrettfahrer und Nachahmer. Ich war schon dabei, da fiel allen bei Corona nur das Bier ein.

Chronologischer Abriß:

Donnerstag 09.01.2020: erster Tag der Bratpfanne. Wache auf und denke, hat mir Lisa D. aus der Lindenstraße die Bratpfanne wie dereinst dem Pfarrer Steinbrück übergebügelt?

Freitag bis Sonntag, 10-12.01.2020: Wochende in Hausen. Viel erledigt, insbesondere am Samstag. Keine wirkliche Schwäche, nur am Sonntag bei der Heimfahrt war ich müde. Abends in die 18 Grad warme Wohnung gekommen und weil mir kühl war, zum ersten Mal auf dem Sofa im Wohnzimmer übernachtet. Nicht so komfortabel.

Montag 13.01.2020: normal gearbeitet, aber Motor läuft nur auf 5 Zylindern.

Dienstag 14.01.2020: krank gemeldet und nachdem ich hier noch nie bei einem Hausarzt gewesen war erstmal höflich durchgeläutet ob ich kommen könnte: Dr. Weber/ Dr. Feldmann in Pang. Innerhalb einer Stunde einen Termin bekommen und ohne Wartezeit gleich ins Sprechzimmer katapultiert worden. Diagnose: Infekt der oberen Atemwege, Krankschreibung bis Freitag 17.01.2020. Ibuprofen, was ich noch im Bestand hatte weiternehmen, ansonsten ausruhen.

Mittwoch bis Freitag, 15-17.01.2020: Spaziergänge in sonniger Wohlfühlatmosphäre draussen unternommen, ansonsten Akku immer so bei 90-95 Prozent.

Samstag bis Sonntag, 18-19.01.2020: Status unverändert, aber eben auch nicht topfit. Trotzdem war am Sonntag ein längerer Spaziergang problemlos möglich.

Montag 20.01.2020: habe mich wieder zum Dienst gemeldet. Meine Sichtweise war, ob ich nun zu Hause am Sofa und Schreibtisch sitze oder im Betrieb am Schreibtisch macht nicht wirklich einen Unterschied. Zum Papier wälzen, lochen und hefte reichen die Kräfte. Wobei mir verschiedene Kolleginnen und Kollegen bestätigten, wenn sie meine Augen ansähen, so wäre ich noch kränklich.

Dienstag 21.01.2020: es kamen jetzt noch Halsschmerzen und Schluckbeschwerden dazu, was die Nachtruhe nicht so erholsam gestaltet. Habe mich dienstlich aus der ersten Reihe zurückgezogen, insbesondere was ein Kundenaudit am Donnerstag den 23.01.2020 betrifft, damit ein Kranker nicht dem Kunden gegenüber in Erscheinung tritt.

Mittwoch 22.01.2020: da meine Ibuprofen Vorräte zur Neige gegangen waren und es scheinbar ohne nicht so gut lief, bin ich in die Apotheke (auch das Neuland…). Um 45 Euro ärmer aber mit Dolodobendan, Ibu-Lysin von Hexal und Umckaloabo bestückt ging es retour. Ach so, heiße Zitrone-Limette habe ich schon vorher täglich getrunken.

Donnerstag 23.01.2020: da mein einer rechter Lymphknoten am Hals deutlich tastbar geschwollen war und weil die Halsschmerzen und die Gesamtsympomatik nicht wirklich besser werden wollte habe ich für Freitag nochmals einen Termin bei Frau Dr. vereinbart.

Freitag 24.01.2020: Rachenabstrich (=Kotzgrenze) und Blutentnahme. Abstrich wurde mit Schnelltest auf Streptokokken getestet: positiv. Daher nun Behandlung für 10 Tage mit Penicillin. Am späten Nachmittag dann Anruf vom Doc wg. Ergebnissen Blutwerte. Erhöhte Werte von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und schlechte Leberwerte. Aufgrund meiner Twinrix Impfungen könne Hepatitis A und B ausgeschlossen werden. Seine Vermutung: Pfeiffersches Drüsenfieber bzw. Mononucleose. Hervorgerufen wird das PDF durch das Epstein-Barr-Virus. Nicht verwandt oder verschwägert mit Katja oder Egon. Montag sollte ich wieder vorstellig werden.

Samstag-Sonntag 25-26.01.2020: keine besonderen Vorkommnisse. Außer der üblichen Geschichte, fängt mann einmal an im Internet zu recherchieren kommt einem das Grausen. Faktisch ist es aber eben so, die leichten harmlosen Verläufe und Fälle tritt niemand breit. Nur die mit Komplikationen werden breit thematisiert.

Montag 27.01.2020: wäre ich bei Parship, ich würde aufgrund meiner häufigen Datingfrequenz mit der Ärztin sicher beneidet. Vielleicht bin ich doch irgendwie in so eine Verkupplungsshow gekommen, wenn beim nächsten Treffen mir ein Cappucino angeboten würde, ich sähe mich bestätigt. Frau Doktor schrieb mich bis Freitag einschließlich krank. Was noch gemacht wurde ist Ultraschall von Leber, Niere und Milz. Ich habe das alles interessiert zur Kenntnis genommen am Monitor, wenn mir aufgrund des schwurbeligen Bildes im Anschluss zu meiner Schwangerschaft gratuliert worden wäre, ich hätte es wohl so annehmen müssen. Meiner Teilnahme am 85. Geburtstag inkl. meiner lange erwarteten donnernden Rede steht aber nichts entgegen. Was noch fehlt ist die diagnostische Bestätigung von EBV im Blut. Oder eben das es dieser Freund doch nicht ist. Mittwoch 29.01.2020 ist wieder Datingshowtermin.

Fazit: als alle in Wuhan noch Reiskörner gezählt haben war ich schon stolzer Besitzer meines Privatviruses. Und das als Kassenpatient. Und jetzt bitte keine Neiddebatte.