Heute Kinder wird´s was geben…
Am 23. Dezember wurde zu vorgerückter Stunde in der Häusener Filmstube traditionell die Filmdokumentation „Stille Nacht in Stalingrad“ aufgeführt. Alle Kameraden waren tief ergriffen und keiner schämte sich seiner Augenflüssigkeit.
So ging es zum Schlummerchen in die Heilige Nacht.
In den frühen Morgenstunden des 24. Dezember wurde der Zeilenautor in seiner 1910er Holzkiste tief unten in der Stalingrad bunkerähnlichen Katakombe jäh hochgeschreckt. Ein rühriges Wimmern durchdrang den Betonwall. Orientierungslos wähnte sich der Bub in der Heiligen Nacht bei minus 20 Grad in Stalingrad mitten in der Filmhandlung. Weitere Beatmungsvorgänge zur vollständigen Sauerstoffsättigung des kleinkalibrigen Großhirns stellten die Situation aber alsbald anders dar. Das innige Schluchzen kam von der Bunkerdecke oberhalb des Schlafgemachs, dort wo Mom sich seit Sonnenaufgang alleine aufhielt. Weitere Recherchen zeigten, dass Mom sich die rührendste Weihnachtsgeschichte aller Zeiten, die vom „Dickerle“ selbst vorgelesen hat und dabei den Emotionen freien Lauf lies.
Zum Frühstück wurde wie in den Wochen davor und prognostisch auch in den Wochen danach, selbstgebackener Stollen serviert. Vereinert wurde der Genuss mit einem aufdrapierten Stückchen Butter von fränkischen Glückskühen.
Für den Theologen der Wohngemeinschaft gab es dann eine 28-minütige Weihnachtspredigt über Josef von Olaf Latzel:
Nachdem sich Mom dank meiner fürsorglichen Zusprache wieder emotional stabilisiert hatte wurde auch für sie die Flimmerkiste mit dem traditionellen Film „3 Nüsse für Aschenbrödel“ beleuchet.
Selbstverständlich wurde der weitere Verlauf des Heiligabend noch mindestens 14 Mal in gestammelter Chronologie durchexerziert.
Der Gottesdienst wurde wie seit 2020 immer im heimischen Wohnzimmer eingenommen. Es kam aus unbekannten Gründen zu einer kleinen Programmverschiebung, den eigentlich sollte der Gottesdienst aus Köln Live übertragen werden. Es wurde jedoch ein am Vorabend voraufgezeichneter Gottesdiest aus Altenberger Dom serviert.
Danach ging es mit 2 Klappkisten bewaffnet und direkt die alten Racker am Haustürchen abholend nonstop nach FO. Die Parkplatzsuche erforderte eine extra Rundfahrt.
Die Pucklige war schon versammelt aber wir ergatterten dennoch gute Plätze am Tisch. Serviert wurde unser Traditionsessen „süsse Soße“. Der Auftrag zur Fleischbeschau lautete die faulste Sau hinter dem Tresen zu ergattern, denn eine Fitnessstudiosau mag zwar ästhetisch sein, geschmacklich macht es aber das Fett. Das gelang meiner Schwester in hervorragender Manier. Die 2025iger Soßenedition zeichnete sich durch eine würzige Sämigkeit aus. Und das 1 kg Schweinebauch Fleischstück durch das Myrakulum des Nachwachsens. Denn Tage später war der Bestand des redlichen Stücks trotz täglicher Entnahme mehrerer Portionen noch um kein Gram zusammengeschnurbst. Wilde Theorien zur postmortalen nachwachsenden Fettleibigkeit bei fränkischen Grunzern sind wissenschaftlich noch im Peer Review.
Serviert wurde dieses Schlubberchen:

https://www.vinos.de/caliber-2022-S41429/?articleNo=41429
Mit 15 Schussern Promilenz ein opulentes und galantes Schwergewicht. Das passende Pendant zur fetten Sau.
Vereinbart war der Rücktransport per Taxifahrt.
Das geschah dann gegen 20.20 h aber in und mit einer derart kurzen Vorlaufzeit, dass der jüngste der Fuhre den Mantel des Frischvermählten in der Kindergarderobe (keine Aufhängmöglichkeiten oberhalb von 56 cm ab Bodenkante aufwärts) ergattere, den Fund jedoch wieder aushändigen musste.
Punkt 20.36 h erreichte das Taxi den Ziel und Endbahnhof Heroldsbacherstr. 45. Die Experten erkennen, der Bubi hat ein Haus zu früh parkiert. Wir haben dennoch reichlich Trinkgeld springen lassen, nachdem sich zunächst eine gewisse Ungewissheit auf der Fahrt breit machte, wo Moms Handtasche mit dem Klingeling sich befindet, wurde sie dann im Kofferaum in der Klappkiste liebkosend wiedergefunden.
Zum Tagesabschluss gab es ein Blaubeerglühweinchen und als filmischer Ausklang wurde der Film „Das ewige Lied“ serviert. Keiner hat jedoch das Ende miterlebt (alle meinten einhellig, kenne ich schon, singe ich doch jedes Jahr…).