Guttenberg und die Folgen

Josef Joffe, jedem politisch interessierten Bürger hoffentlich bekannt, hat einen sehr klugen analytischen Kommentar zur Abdankungsrede von Guttenberg verfasst, ein Auszug daraus:

„Das klare Schuldbekenntnis – bekanntlich der erste Schritt in die Rehabilitierung – vermeidet Guttenberg so: Er habe sich bei „all jenen entschuldigt, die ich (…) verletzt habe“. Da ist es wieder, das zweigeteilte moralische Universum. Genugtuung wird nur denen zuteil, „die ich verletzt habe“. Und die anderen, die auf allgemeine Werte wie Vertrauen und Ehrlichkeit pochen? Die bleiben draußen, denen habe er in Wahrheit nichts getan, um so weniger, als ihre Motive nicht immer ehrenhaft waren.“

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/guttenberg-ruecktritt-rede-comeback?page=1

Und natürlich wird an der Dolchstoßlegende schon eifrig gestrickt. Am meisten Maschen hat Horst Seehofer vorgelegt, indem der sich Lammert und Schawan vorknöpfte. Parteiräson geht schließlich vor Gewissen. Art. 38 des Grundgesetzes kennt Seehofer (noch) nicht.

Jetzt wird nicht der Täter als Schuldiger benannt sondern jene, die ihm die Tat nicht nachgesehen haben. Die, deren Gewissen Ihnen keine Ruhe gelassen haben. Die, die überhaupt noch ein Gewissen haben in der Politik. Die, die christliche Werte und Gebote nicht nur als Worthülsen missbrauchen in Parteinamen, sondern diese Werte und Gebote auch leben und mit Inhalt füllen.

Seehofer argumentiert, wer als Beifahrer Zeuge eines Unfalls mit anschließender Fahrerflucht geworden ist und diese dann anzeigt ist Täter, nicht der Unfallverursacher. Man hätte sich schließlich mit dem Fahrer „solidarisieren “ müssen. Verkehrte Welt.

http://www.sueddeutsche.de/bayern/csu-ohne-guttenberg-held-weg-alles-weg-1.1067695

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. „Perversion“ ist ein wiederkehrendes Thema in diesem Trauerspiel, angefangen bei Guttenbergs Versuch, das Eingeständnis seines Fehlverhaltens und seine Entschuldigung als veritable Großtat hinstellen zu wollen, obwohl man offenbar nur um Entschuldigung bitten kann und offen ist, ob diese gewährt wird; über Merkels „wir müssen uns nicht erklären lassen, was Anstand und Ehre sind“; bis hin zu Seehofers populistischem Reflex, etwas vom schwindenden Nimbus abzubekommen.

    Aber wie an anderer Stelle von mir ausgeführt, das eigentlich Traurige sind doch nicht die Handvoll Akteure mit ihren durchsichtigen Macht- und Egospielchen… sondern die Menge an Befürwortern, die sie hinter sich versammeln (und fürs Protokoll, damit will ich nicht implizieren, dass die Opposition besser sei).

Schreibe einen Kommentar