Das Phänomen Erler Wind kenne ich seit ich nach RO gezogen bin. Da hat es mir ein Kollege erklärt und ich bin bereits auf meinen ersten Radtouren im Inntal damit konfroniert worden. Seit dem begegnet mir dieser Wind regelmäßig, da einer meiner Hauptroutentouren nach Kufstein führt.
Hier eine kurze Erklärung des Phänomens:
„Die geografische Situation des nördlichen Inntals ruft ein besonderes Wetterphänomen, den Erler Wind, hervor. Hier, im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol, verengt sich das Tal sehr stark zwischen den Bergketten Mangfallgebirge mit Wendelstein und Chiemgauer Alpen mit Kranzhorn. Temperaturunterschiede zwischen den sich erwärmenden bzw. abkühlenden Berghängen und der Rosenheimer Ebene führen zu starken Talwinden. Dabei dreht sich während des Tages die Windrichtung: am Vormittag verläuft der Wind talauswärts (nördlich) am Nachmittag taleinwärts, was auf die sich verändernden Temperaturunterschiede zurückzuführen ist.„
An der FH Kufstein als auch an der TH Rosenheim laufen bzw. liefen Forschungsprojekte zum Thema Erler Wind. Eine Bachelorarbeit an der TH Rosenheim mit dem Thema „Untersuchung des energetischen Potenzials des Windsystems Erler Wind – Messdatenauswertung, Ertragsanalyse und Wirtschaftlichkeitsrechnung“ ist 2022 abgeschlossen worden.
Für mich als Laien ist das Fazit nicht wirklich überraschend:
„Diese Arbeit führt insgesamt zu dem Ergebnis, dass ein energetisches Potenzial im Bereich des Windsystems Erler Wind vorhanden ist. Die Analyse der Messdaten der von der TH Rosenheim betriebenen Messstation in Sonnhart ergibt, dass in der Nähe der Engstelle im Inntal, Winde mit hohen Windgeschwindigkeiten und südlicher Hauptwindrichtung auftreten. Nördlich der Engstelle bei den Orten Flintsbach und Nußdorf am Inn verringern sich die gemessenen, mittleren Windgeschwindigkeiten bereits wieder. Dies zeigt, dass dieses Windphänomen mit hohen Windgeschwindigkeiten räumlich nur sehr begrenzt auftritt. Die durchgeführten Ertrags- und Wirtschaftlichkeitsberechnungen ergeben, dass mittelgroße Windenergieanlagen ab 250 kW Leistung, in dem untersuchten Talabschnitt, elektrische Energie mit niedrigen Stromgestehungskosten produzieren können. Der am Standort Sonnhart durchgeführte Vergleich führt zu der Erkenntnis, dass sich Photovoltaik und Windenergie hinsichtlich der monatlich erzeugten Energiemengen über das Jahr gut ergänzen. Aus diesen Gründen wäre die Nutzung der Windenergie nahe der Talverengung bei Sonnhart zu empfehlen.„
Für mich erstaunlich, dass es bis ins letzte Jahr gedauert hat um hier wissenschaftlich Fakten zu generieren, die ein Laie wohl seit Jahrzehnten gewusst hat. Bemerkenswerter im negativen Sinne ist es jedoch, dass Bayern es hier komplett verschlafen hat die Windenergie längst ausgebaut zu haben. Und ich wage die Prognose, es wird noch lange Jahre dauern bis die bayerischen Politiker hier erwachen und endlich etwas machen um dem menschgemachten Klimawandel durch Erzeugung von regenerativen Energien etwas entgegen zu setzen. Ohne es konkret belegen zu können, meiner Meinung nach verhindern hier blau-weisse Zipflbuben den Ausbau der Windenergie, weil sie „ihr“ Inntal nicht „verschandelt“ sehen wollen. So geht Energiewende im Söder-Ländle. Als Verhinderungsmechanismus.
Was der Erler Wind mit meinem RoBreRo Projekt zu tun hat erläutere ich einem kommenden Beitrag.