Die Zukunft der Menschheit steht auf dem Spiel

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Zu den vielen Beiträgen von Christian Stöcker die ich hier schon zitiert habe füge ich einen weiteren an.

Es ist ein mit viel kommunikativem Aufwand, Lobbyismus und Geld in den Markt gedrücktes, sehr erfolgreiches Stück Desinformation: »Klimaschutz ist zu teuer, alternative Technologien sind viel zu hoch subventioniert.« Dass weite Teile der Bevölkerung – und, so mein Verdacht, auch der politischen Klasse – das weiterhin glauben, ist der zweitgrößte Coup der Ölkonzerne. Nach dem weltweiten Erfolg der Leugnung der menschengemachten Erderwärmung.

Mit Öl und Gas wurden in den letzten 50 Jahren pro Tag 3 Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Pro TAG!!!

Wer das immer noch nicht weiss sollte sich fragen warum er solche Fakten nicht kennt. Und das Wissensdefizit erklärt dann auch schon hinreichend den Gedanken- und Handlungsraum von Diesel Dieter bis Aluhut Peter.

2022 wurden weltweit dem Internationalen Währungsfonds zufolge 1,3 Billionen Dollar explizite Subventionen für fossile Brennstoffe ausgegeben. Explizite Subventionen heißt: Fossile Brennstoffe werden unter Einsatz von Steuergeldern künstlich billiger gemacht. Das passiert vor allem in Petrostaaten, aber auch bei uns – Stichwort Tankrabatt, Gaspreisbremse.

Die weit größere Subvention ist da aber noch gar nicht enthalten. Das sind zum einen erlassene Steuern (Stichworte hierzulande sind zum Beispiel Dieselprivileg und Kerosinsteuerbefreiung), zum anderen nicht eingepreiste Schäden.

Und da wird es erst richtig teuer. Zählt man die impliziten Subventionen mit, sagen die IWF-Autoren, flossen im Jahr 2022 sieben Billionen Dollar im- und explizite Subventionen in fossile Brennstoffe. Siebentausend Milliarden.

Wir alle finanzieren die fürstlichen Gewinne der Ölkonzerne mit und füllen so auch die Kriegskasse von Wladimir Putin und die Schatzkammern fossiler Autokraten. Gleichzeitig nehmen wir ständig zunehmende Extremwetterkatastrophen in Kauf, Ernteausfälle, Wassermangel, Klimafluchtbewegungen, Riesenbrände, Monsterstürme, den Meeresspiegelanstieg und so weiter. Alles nur, damit ExxonMobil, Total und Konsorten weiterhin sehr viel Geld an ihre Aktionäre ausschütten können. Und damit Putin, der Emir von Katar oder Saudi-Arabiens Mohammed bin Salman weiter im Geld schwimmen. Dazu kommen andere Unternehmen, die von den viel zu billigen fossilen Brennstoffen profitieren, von der Chemieindustrie bis zur Autoindustrie, die nicht vom Verbrenner lassen will (wäre Tanken so teuer, wie es gerechterweise sein müsste, wäre der Verbrenner wohl längst tot – jetzt stirbt er trotz der gigantischen Subventionen).

Um dieser gigantischen Marktverzerrung gerecht zu werden, gibt es den Europäischen Emissionshandel, genannt ETS (European Union Emissions Trading System). Die Idee ist diese: Die Europäische Union darf, um ihre Klimaziele einzuhalten, nur noch eine bestimmte Menge CO₂ emittieren. Diese Menge ist bekannt. Wer emittiert, muss nun gewissermaßen Genehmigungen dafür kaufen, »CO₂-Zertifikate« genannt. Diese Zertifikate können gehandelt werden – wenn ein Unternehmen also zum Beispiel schneller dekarbonisiert, indem es etwa seine Fahrzeugflotte auf E-Autos umstellt, hat es Zertifikate übrig, die es dann zum aktuellen Marktpreis verkaufen kann. Ein knappes, knapper werdendes Gut wird bepreist – eine »marktwirtschaftliche Lösung«. Ökonomen lieben sie, sind aber oft etwas blauäugig, was die Durchsetzung angesichts kurzsichtiger Politik angeht.

Den drohenden Untergang der menschlichen Zivilisation weiter zu subventionieren, wäre ein Ausdruck absoluter Verantwortungslosigkeit: Die EU ist auf Platz drei  der kumulativ größten CO₂-Emittenten der Geschichte. Unser Wohlstand basiert auf den Klimaschäden, die wir bereits angerichtet haben und weiterhin anrichten. Und Europa erwärmt sich derzeit schneller als der Rest der Welt. Wir haben keine Zeit mehr.

Unser aller Zukunft hängt davon ab, dass wir der Klimakatastrophe Einhalt gebieten, bevor es endgültig zu spät ist. Wenn wir es tun, werden andere folgen, das wissen wir bereits.

Wir sind, wie aktuelle Daten zeigen, sehr, sehr weit davon entfernt , genug zu tun, um die Katastrophe aufzuhalten. Jetzt noch weniger zu tun, wäre selbstmörderisch.