Die rechte und die linke Wange

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Darauf gestossen bin ich auf den Sachverhalt mit dem Bibelwort von der rechten und der linken Wange durch Bischof Huber.

Hier zunächst der Text um den es geht, Matthäus Kapitel 5, Vers 38 ff. :

http://www.bibel-online.net/buch/neue_evangelistische/matthaeus/5/

„…Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die linke hin. …“

Nun zur Bedeutung der jeweiligen „Seiten“, die nach näherer Betrachtung nicht zufällig so in der Reihenfolge gewählt sind.

„…

In Vers 39b. handelt sich nicht um eine Ohrfeige, sondern um den beleidigenden und demütigenden Schlag mit einem Handrücken, denn eine rechte Hand kann nur mit dem Handrücken die rechte Wange treffen. Mit der Aufforderung, die andere Wange hinzuhalten bietet der Geschlagene dem Schläger die Stirn. Die Entwürdigung wird bloßgestellt. Kommt der Gegner der Aufforderung dennoch nach und schlägt mit rechter Handfläche die linke Wange, erkennt er den Geschlagenen zumindest als Gleichwertigen an.
Vers 40 setzt die Situation eines Schuldprozesses voraus, in dem ein Gläubiger einem Verarmten buchstäblich das letzte Hemd auszieht. Doch das Opfer bleibt nicht passiv. Mit der Abgabe des Mantels, der sonst tabu war, entsteht eine absurde Situation: in dem er mehr gibt, als der andere fordert, stellt er die nackte Gewalt des anderen im wahrsten Sinne des Wortes bloß.
Die dritte Szene in Vers 41 hat die damals übliche Zwangsverpflichtung durch einen Soldaten zum Transport- oder Hilfsdienst vor Augen. Das Recht liegt auf der Seite des Stärkeren. Doch wieder weist Jesus dem vermeintlichen Opfer einen Ausweg aus der Ohnmacht in aktives Handeln. Durch freiwillige Verdoppelung des abgepressten Dienstes wird dessen Rechtsanspruch lächerlich gemacht und in Frage gestellt.
In allen drei Beispielen zeigt Jesus den Weg aus einer Ohnmacht, der man Würde und Recht geraubt hat. Dabei wird die unter dem Mäntelchen des Rechts verborgenen Macht untergraben und das verhängnisvolle Rollenmuster zwischen Täter und Opfer nicht einfach umgekehrt, sondern durchbrochen. Durch die aktive Gewaltlosigkeit gewinnt das Opfer von Gewalt neue Würde und fordert das Gegenüber ebenfalls zu einer neuen Standortbestimmung heraus. Ein solches Verhalten fordert Klugheit, Mut und Phantasie. Männer sind hier mit ihrer reifen Aggressivität gefordert, die erlittene Ohnmacht nicht in blinde Gewalt umsetzt, sondern das Täter-Opfer-Schema subversiv bekämpft.
Wer den dritten Weg Jesu geht, flieht nicht vor der Gewalt und dem Unrecht. Er setzt der missbrauchten Gewalt die Kraft der menschlichen Würde entgegen und ermöglicht so neue Beziehung zum Täter. Diese Kraft schöpft aus der immer wieder von uns verfehlten Urwahrheit des Menschen, die in Jesus neu aufleuchtet: wir sind als Ebenbilder Gottes geschaffen. Keine Gewalt kann diese Urwahrheit des Menschen auslöschen, solange Gott in seiner Menschlichkeit an ihr festhält. …“

 

„…„Wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halte auch die linke hin.“ Wie soll das gehen, dieses auf die rechte Wange schlagen? War Jesus linkshändig? Im Normalfall schlägt ein Rechtshänder einem unbotmäßigen Gegenüber auf die linke Wange. Wollen Sie das mal (vorsichtig) ausprobieren? Auf die „rechte Wange schlagen“ geht nur, wenn man den Handrücken der rechten Hand benutzt.
Im Talmudtraktat über Körperverletzungen heißt es: „Wenn jemand seinem Nachbarn eine Ohrfeige gibt … so zahlt er ihm vor dem Richter 200 Sus als Wiedergutmachung … geschah es aber mit verkehrter Hand, also mit dem Handrücken, so zahlt er ihm 400 Sus“ – das Doppelte. Warum? Der Talmud erklärt: der Schlag mit dem Handrücken schmerzt zwar weniger, gilt aber als Geste der Verachtung, die zwiefach bloßstellt und blamiert. Es geht also um eine Beleidigung, die dir zugefügt wird. Und es ist für den Frieden in einer Gesellschaft oder in einer Gruppe wichtig, nicht zu schnell beleidigt zu sein….“

 

Jeder kann auch selbst ausprobieren, mit welcher Seite er ggf. kräftiger zuschlagen kann. Also mit der Rückhand bzw. dem Handrücken oder der Vorhand, also beim austeilen einer klassischen, aber im nüchternen Zustand nicht mehr so gängigen „Watschen“. Selbstverständlich ist die „Vorhand“ viel kräftiger, das ist z.B. beim Tennisspielen auch so.