Die Apokalyse hat begonnen

Ab Mitternacht herrscht in Bayern eine Ausgehbeschränkung (kein Ausgehverbot!). Heute morgen habe ich grob geschätzt, dass allenfalls nur noch die Hälfte der Fahrzeuge auf der Straße verkehren. Das muss ich jetzt revidieren, nachdem ich mich in die Außenzone gewagt habe. Es sind allenfalls 10 Prozent.

Das was ich bei dem kurzen Ausflug zum Tanken und zum Hoflieferanten an Eindrücken gewonnen habe, erinnert mich wahlweise an John Carpenters „Die Klapperschlange“

oder an vorapokalyptische Szenarien. Die wenigen Menschen die überhaupt unterwegs waren sehen einander weder an noch wird gesprochen. Hastig lädt jeder noch ein paar Utensilien, die für den Überlebenskampf notwendig sein könnten, in den Einkaufswagen. An der Kasse ist notdürftig die Kassiererin mit einer Frischhaltefolienbarriere getrennt vom Zombiekunden. Auf dem Parkplatz haben während der ca. 15 Minuten zweimal Polizeistreifenfahrzeuge Patrouille gefahren.

Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht ein solch beklemmendes Gefühl bekommen.

Andererseits zeigt es deutlich, dass die absolut notwendigen rigiden Maßnahmen jetzt wohl endlich Wirkung entfalten. Ich musste leider bis gestern Nachmittag bei schönem Wetter hier in der Nachbarschaft feststellen, dass einige unbelehrbare Pappnasen die Lage offenkundig immer noch nicht verstanden haben und in Gruppen weiterhin zusammekamen. Abstand ein Fremdwort. Auch im beruflichen Umfeld hatte ich Anfang der Woche einen Vorgang, wo ich strikt auf Abstand bestanden habe, was zu Unverständnis und beleidigtem Verhalten führte.

Würde es wirklich nur um mich selbst gehen, ich hätte kaum Befürchtungen durch eine Infektion groß in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Ich habe keinerlei Vorerkranken, bin fit und gesundheitlich ohne Einschränkungen. Aber das ist eben nicht der Punkt. Es geht um die Schwächeren und Schwächsten. Das haben bis heute leider immer noch nicht alle kapiert. Ähnlich wie bei der Diskussion um die Impfung gegen Masern.

Bei mir konkret geht es um meine Eltern. Die beiden sind darauf angewiesen, dass jemand Fürsorge für sie trägt, damit die beiden, so sie denn demnächst wieder beide zu Hause in der Hütte vereint sind, keine extra Touren ausser Haus unternehmen müssen. Jeder mögliche Kontakt zu einer weiteren Person ist ein potentielles Risiko. Daher gilt es, diesen Personenkreis auf das absolut minimalst notwendige zu reduzieren.

Stand heute ist, ich bin unverändert fit und gesund und die Wahrscheinlichkeit einer Infektion bei mir ist nahe 0. Ich habe dieses Risiko während der letzten Woche auf das minimal notwendige versucht zu senken, habe alle Möglichkeiten genutzt die eine Risikominimierung bedeuten. Ein minimales theoretisches Risiko bleibt, denn ich habe tagsüber immer noch gearbeitet. Und zwar innerhalb meiner Firma, die mittlerweile auch zur sicherheitskritischen Infrastruktur hochgestuft wurde. Ich bin mit einem Schreiben ausgestattet, was mir z.B. bei einer möglichen Kontrolle erlaubt des Weg zur Arbeit aufzunehmen.

Seit gestern Freitag den 20.03.2020 habe ich zudem bis einschließlich Montag den 30.03.2020 Urlaub. Das ermöglicht es mir, nächste Woche Take Care in Hausen durchzuführen.