Der tiefe Fall der Alice Schwarzer

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Meine Leserschaft giert förmlich nach einem Eintrag zur Causa Alice Schwarzer.

Zuvor möchte ich jedoch auch einige Einträge zur Causa Hoeneß im alten Blog verweisen:

http://wordsallerlei.blog.de/2013/04/22/uli-hoeness-eigentor-15778757/

http://wordsallerlei.blog.de/2013/04/25/strafbefreiende-selbstanzeige-15788379/

http://wordsallerlei.blog.de/2013/04/28/uli-hoeness-pharisaeer-15799994/

Wer hätte gedacht, dass Alice Schwarzer und Uli Hoeneß doch etwas verbindet?

Jetzt sind sie vereint im Kreise der elitären Steuerstraftäter.

Erhellend ist auch die Einlassung von Alice Schwarzer auf ihrer Homepage:

http://www.aliceschwarzer.de/artikel/eigener-sache-313405

Ich weiss gar nicht was schlimmer an diesem Pamphlet ist. Die Dreistigkeit wie sie versucht Täter und Opferrolle zu vertauschen oder die Unfähigkeit und Uneinsichtigkeit zu begreifen, dass sie eine Straftat begangen hat und nicht nur einen lässigen Fehler. Das muss man sich vergegenwärtigen: noch 5 lange Jahre nachdem der Fall Zumwinkel an die Öffentlichkeit gelangte blieb sie konsequent eine gewissenlose Straftäterin.

Es wird höchste Zeit die Priviligierung von Steuerstraftaten gegenüber jeder anderen Straftat abzuschaffen. Kein Ladendieb und Verkehrsdelinquent kann sich freikaufen, der Steuerstraftäter aber schon. Warum braucht man im Jahr 2014 noch einen Ablasshandel?

Nochmal bildlich gesprochen: jetzt in der Dunkelheit mache ich mich auf zum örtlichen Autohändler. Stehle ein Auto. Fahre umher. Tage später fahre ich zum Autohändler, lege den Schlüssel auf den Tresen und sage „nix für ungut, ich habe vollgetankt gell“. Vielleicht noch einen 10er ins Sparschweim am Tresen, dann muss der Fall aber erledigt sein. Na wie realistisch ist, dass ich das Autohaus einfach so verlassen kann?

Fassungslos macht dann aber wie dreist Frau Schwarzer versucht sich reinzuwaschen. Das versucht sie, indem sie gestern die Gründung einer Stiftung bekanntgibt, die sie mit 1 Million Euro unterstützt. Also (vermutlich) exakt mit dem Geld, welches sie dem Staat Deutschland ca. 20 Jahre lang durch Steuerhinterziehung vorenthalten hat. Denn gezahlt hat sie nachträglich nur für die 10 Jahre die rechtlich zu beanstanden waren. Wenn das keine Heuchelei ist.

Exakt auf meiner Linie argumentiert Heribert Prantl in der SZ:

„…

Nur der Steuerhinterzieher, kein anderer Straftäter sonst, hatte es so schön und einfach. Er konnte sich auf unauffällige Weise selbst amnestieren, solange seine Tat noch nicht entdeckt war. Es hat wohl ganz wesentlich mit dieser strafbefreienden Selbstanzeige zu tun, dass die Steuerkriminalität bis zum heutigen Tag verniedlicht wird: Kein Mensch bezeichnet einen Dieb oder einen Betrüger als „Eigentumssünder“ oder einen Urkundenfälscher als „Urkundensünder“; würde man einen Vergewaltiger als „Sexualsünder“ bezeichnen, wäre die Empörung groß. Nur Steuerstraftäter sind immer noch possierliche „Steuersünder“.

Alle anderen Straftäter müssen von der Tat zurücktreten oder tätige Reue üben, bevor (!) die Tat vollendet ist; bei Steuerhinterziehung genügt(e) bloße Wiedergutmachung des längst eingetretenen Schadens. Es gibt keine andere klassische Straftat, die als Sünde verharmlost wird – nur die Steuerhinterziehung. Die Steuerstraftat war, bis vor Kurzem, eine abwaschbare Straftat.

Dem Staat war das Geld des Hinterziehers lieb und teuer, lieber als eine Strafe. Der Staat stellte sein Interesse an Steuereinnahmen also über den staatlichen Strafanspruch. Der Staat dachte so ähnlich wie zu Luthers Zeiten der Mönch Tetzel, der Ablasshändler: Wenn das Geld im Kasten klingt . . . Für die Strafbefreiung gab es keinen anderen vernünftigen Grund als den: die „Erschließung bisher verheimlichter Steuerquellen“. Böse formuliert: Der Staat war ein wenig korrupt; er ließ sich den Strafanspruch abkaufen.