Bernhard Irrgang – Biografisches

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Um Verwechslungen vorzubeugen, in diesem Beitrag geht es um das zweite Kind von Alfred und Frida Irrgang. Die Erstgeborene war Erna Lucius (geborene Irrgang) meine Oma.

Bernhard Felix Alfred Irrgang wurde am 28.01.1924 in Breslau geboren.

Dies ist der Versuch ein wenig Licht in sein kurzes nur 20-jähriges Leben zu bringen. Teilweise stammen die Infos von Onkel Manfred, die aber „nur“ mündliche weitergegebene Infos darstellen, teilw. gibt es faktische Quellen und historische Tatsachen, die ich bestmöglich zusammenfasse.

Einberufung zur Wehrmacht spätestens Oktober 1942, denn zu diesem Zeitpunkt war der Jahrgang 1924 voll einberufen worden:

https://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Soldat/Wehrdienst.htm

Einberufung zu den Gebirgsjägern. Er soll unter Generaloberst Dietl gedient haben. Das jedoch bezweifle ich, da Dietl als „Held von Narwik“ in Norwegen und später in Lappland eingesetzt war und weder jemals in Jugoslawien und dem Kaukasus war.

An dieser Stelle ist es schwierig. Die Info bzgl. Gebirgsjäger die sich wohl auch bei Onkel Manfred verfestigt hat rührt von der Todesanzeige für Bernhard her, die damals in die Zeitung gesetzt wurde:

Es existiert die Todesnachricht geschrieben von Hauptfeldwebel Otto Fröhlich am 12. August 1944 und dort ist die Feldpostnummer 59275 vermerkt. Die Feldpostnummer ist keine personifizierte Nummer, sondern ist eine Art Sammelnummer für jede militärische Einheit. Die Nummernvergabe ist zufällig, sodass sich allein aus der Nummer keinerlei Rückschlüsse auf die Einheit, Verband, Armee etc. ziehen lassen. Hinter dieser Feldpostnummer 59275 ist wahrscheinlich der Buchstabe „C“, was den Rückschluss 3. Bataillon zulässt.

Mithilfe dieser Suche

https://vbl.drk-suchdienst.online/Feldpostnummer/FPN.aspx

konnte ich die Zuordnung der Einheit wie folgt finden: Jäger Regiment 227, 3. Bataillon, 12. Kompanie

Quelle auch: https://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/JagerReg/JReg227.htm

In der Vermisstenliste die so einsehbar ist

Quelle: https://vbl.drk-suchdienst.online/Feldpostnummer/FPN.aspx

finden sich einige Männer die ebenfalls aus Breslau stammen, daher dient es als Indikation, dass die Zuordnung plausibel ist.

Verifiziert habe ich das Ergebnis über eine andere Quellensuche, hier das Ergebnis:

Es ist somit sehr sicher, dass Bernhard bei einer „Jäger“ Abteilung war und nicht „Gebirgsjäger“ war.

Von Bernhard stammt der Ausspruch „Reis Nudeln Bohnen, soll der Teufel holen“.

Mann muss wissen, dass das Jägerregiment 227 der 100. Jäger Division untergeordnet war. Diese Jäger Division wiederum war der 6. Armee zugeordnet (die bekanntermaßen in Stalingrad vollständig vernichtet wurde und erst im Frühjahr 1943 wieder neu aufgestellt wurde).

Auch lt. Onkel Manfred war Bernhard zunächst auf dem Balkan stationiert, bevor es in den Osten ging. Das belegt dieser Auszug des Einsatzgebietes der Division:

Quelle: https://www.wikidata.de-de.nina.az/100._J%C3%A4ger-Division.html

Hier nun der historische Abriss der 100. Jäger Division mit Einsatzgebieten und Beschreibung:

„Bereits im Februar 1943 wurde bei Schachty aus Resten der Division (Teile, die sich außerhalb des Kessels befunden hatten sowie Urlauber und Ersatzmannschaften) die „Kampfgruppe 100. Jäger-Division“ aufgestellt. In Ried am Inn wurde aus ein Auffangstab gebildet, zu dem die zurückkehrenden Genesenden der Division versetzt wurden. Am 17. März erreichte die „Kampfgruppe 100. Jäger-Division“ aus dem Osten kommend Ried am Inn und diente dort als Grundstock für die neu aufzustellende 100. Jäger-Division. Innerhalb der nächsten Wochen wurde die Division komplett neu aufgestellt und ausgerüstet. Bereits Ende Mai 1943 wurde die Division Kroatien in den Raum Syrmien verlegt. Der Unterbringungsraum der Division war frei von Partisanen, so dass die Division ihre Neuaufstellung ungestört fortsetzen konnte. Anfang Juli 1943 trafen bei der Division Rekruten des Jahrgangs 1925 ein, darunter vermehrt Angehörige der Volksliste 3 (Slowenen und Polen), die nur gebrochen deutsch sprachen. Ab Anfang Juli 1943 wurde die Division zur Partisanen-Bekämpfung eingesetzt. Während des „Unternehmens Paula“ wurde die Division in der Bilo Gora und im Papuk- und Psunjgebirge eingesetzt. Bis zum 16. Juli konnten die in diesem Gebiet operierenden Partisanenverbände zwar zerschlagen werden, entscheidend geschlagen waren die Partisanenverbände jedoch nicht. Ende Juli 1943 wurde die Division in den Raum Skoplje verlegt und Ende August nach Albanien. Hier war die Division bis Ende Februar 1944 zur Partisanenbekämpfung eingesetzt. Im September und Oktober 1943 war die Division zudem am „Fall Achse“, der Entwaffnung der italienischen Einheiten in Albanien beteiligt. Am 23. Februar 1944 erging der Befehl des XXI. Gebirgs-Armeekorps, die Division in den Raum Belgrad zu verlegen. Am 3. März wurde der Divisionsabschnitt an die 297. Infanterie-Division übergeben und ab dem 6. März verlegte die Division per Bahn in den Raum nördlich von Belgrad, um hier für den Einmarsch in Ungarn bereit zu stehen. Am 23. März erhielt die Division schließlich den Befehl, nach Budapest zu verlegen und die dort stationierten Einheiten der ungarischen Armee zu entwaffnen. Auf dem Weg nach Budapest wurde die Division jedoch nach Galizien umgeleitet und dem II. SS-Panzerkorps im Raum Brzezany zugeführt. Anschließend stieß die Division im Rahmen des II. SS-Panzerkorps nach Osten bis an die Strypa vor, um den Kessel von Kamenez-Podolsk zu entsetzen. Anschließend grub sich die Division am westlichen Ufer der Strypa zur Verteidigung ein. Hier verblieb die Division, bis am 13. Juli die russische Offensive im Raum Tarnopol – Brody begann. Bei der 100. Jäger-Division wirkte sich die Offensive dahingegend aus, dass die Frontlinie der Division nach Norden verlängert werden musste. Schwächere Angriffe am 10. Juli beiderseits Bieniawa und am 15. Juli beiderseits Sosnow konnten von der Division erfolgreich abgewiesen werden. Am 19. Juli erhielt die Division den Befehl, sich in der Nacht auf den 20. August auf den Fluß Koropiec zurück zu setzen. Damit begann der Rückzug durch die Karpaten. Am 22. Juli erreichte die Division Ostalowice und Hulkow und damit die Lemberg-Schutzstellung. Am 28. Juli wurde der Dnjestr westlich von Chodorow überquert. Anschließend kämpfte die Division um die Gebirgseingänge in die Karpaten im Raum Dolina. Über Polanica und Jammerstal führte der Rückmarsch der Division bis Brzaza und dann auf die Höhen bei Skole hinauf. Hier wurde nach dreiwöchigem Rückzug eine neue HKL aufgebaut.“

Der 28. Juli ist lt. Brief der Todestag von Bernhard. Ort des Todes ist Zalesce in Galizien, welches beim erwähnten Fluss Dnjestr liegt.

Da der Brief in altdeutscher Schrift ist und schwer lesbar hier die auszugsweise verschriftlichung:

„…Es war am 28. Juli bei Zalesce in Galizien. Die Kompanie hatte den schweren und ehrenvollen Auftrag, als Nachhut am Fein zu bleiben und den stark nachdrängenden Russen so lange aufzuhalten bis der Großteil des Bataillons jenseits des Dnjestr Stellung bezogen hatte. In stärkstem Feuer hat die Kompanie ihren Auftrag erfüllt. Hierbei fand Ihr Sohn den Heldentod. Er konnte noch in aller Eile von seinen Kameraden beerdigt werden. Seine eigenen Sachen konnten dabei nicht sichergestellt werden.

In den weiten hügeligen Fluren Galiziens liegt das Heldengrab ihres Sohnes. …“

Zur Orientierung und geografischen Einordnung der Örtlichkeiten hier ein Kartenausschnitt:

https://maps.app.goo.gl/ntL8epzSxsS67ooy7

Der Ort ist in der heutigen Westukraine, relativ nahe an der polnischen Grenze. Geschätzt ca. 500 km Luftlinie südöstlich von Breslau.

Der Ort ist heute auch unter den Namen Zales’tse, Zalesce, Zalese, Zaleski, Zales’tse, Zaleśce, Zaliski, Zalisky, Залески, Заліски bekannt.

https://maps.arcanum.com/de/geoname/ukraine/zalisky-687823/

Es existieren sog. Freiwilligenmeldungen die nach Vollendung des 17. Lebensjahres erfolgen durften und damit keine Erlaubnis der Eltern voraussetzten, dann wurde der Dienst auch bereits früher angetreten, also z.B. mit 17 Jahren. Wann genau Bernhard von zu Hause weggegangen ist lässt sich nicht mehr klären. Auch war er lt. Onkel Manfred nicht wissentlich in Breslau auf Heimaturlaub.

Es gab dann noch den sog. Arbeitspflichtdienst der abgeleistet werden musse. Das war eine 6 monatige Verpflichtung, die vor dem Wehrdienst abgeleistet werden musste.

Ab 1942 setzte man den Einberufungsjahrgang 1924 beim Ostfeldzug unmittelbar hinter der Front zum Bau militärischer Anlagen und beim Wege- und Brückenbau ein. Dies als allgemeiner Hinweis.

Nach der Schule begann Bernhard eine Lehre zum Fahrradschuster, also nach heutiger Lesensart Zweiradmechaniker.