Bergsommerfrische in Leutasch

Der diesjährige Bergsommeraufenthalt fand in Leutasch statt. Es wird keine umfassende Reportage geben, nur Schlaglichter und einige Bilder.

Zu erwähnen ist die rekordverdächtige Fahrt von HGB zu den Eltern, die satte 4,5 Stunden dauerte. Ein LKW hatte sich auf die Seite zum Schlafen auf die Autobahn gelegt, sehr unloeblich.

Freitag den 12.08.2016 ging es bei trübem, kühlem und teilweise regnerischem Wetter über München, Garmisch-Partenkirchen und Seefeld nach Leutasch.

Zu erwähnen ist ein Einkauf in Seefeld. Hier wurde die Abteilung Dauerwurstwaren einer so gründlichen Inspektion unterzogen, dass dies zeitmäßig dem Aufstieg zur Hohen Munde am Folgetag entsprach. Aber ich greife vor, also schreibe ich zurück.

Ein gewisser Wurstfetisch ist den lieben Eltern nicht abzusprechen. Dies könnte ein weiteres Observationsfeld in die seelischen Abgründe darstellen, aufzuarbeiten von der Nachwuchspsychologin, natürlich nur, wenn sie nicht schon mit dem Knüpfen der Sofabezüge für ihre Kalbtraumpraxis ausgelastet wäre.

Unser Domizil war das Hotel Zugspitze in Platzl.

Kurzkritik: Lage gut, nachts ruhig und tagsüber ein wenig Verkehr an der davor vorbeiführenden Straße. Von außen kein Schmuckstück, innen sauber und ordentlich, aber man sieht dem Gebäude das Alter an. Die Bäder sind neu renoviert. Wir hatten ein Zimmer mit und eines ohne Balkon. Das mit ist in jedem Fall zu bevorzugen.

Mom hat die Matratze für schlecht befunden. Sofort nach Reklamation wurde eine Zwischenpolsterung von der freundlichen Servicekraft angeschleppt. Nachdem auch diese Variante nach einer Nacht für unzureichend komfortabel erachtet wurde, musste eine ganz neue Matraze her. Auch das klappte problemlos (vom Bandscheibenvorfall der Matrazen-Schlepperbande mal abgesehen…). Die Matratze war dann allerdings so hoch gebaut, dass Mom somit knapp unter der Zimmerdecke lag, faktisch in der Höhenlage der Rauthütte und damit in sauerstoffreduzierter Atmosphäre.

Nur mit Mühe konnte Mom dann an Tag 2 von einer weiteren Reklamation abgehalten werden. Sie wollte allen Ernstes den Bau einer Bergbahn in ihr Hochbett beantragen und zwar direkt vom Speisesaal.

An der Verpflegung gab wenig auszusetzen. Besonders die Fleischqualität ist zu loben. Wir hatten Halbpension. Abends gab es entweder ein 4 Gang Wahlmenue oder an einem Abend ein Tiroler Buffet, wobei allenfalls das Dirndl vermisst wurde.

Beim Frühstück ist die Verfügbarkeit von frisch zubereiteten Eiern zu erwähnen (Rührei mit Speck…sehr lecker).

Am Samstag stand die Tour auf die Hohe Munde auf dem Bergsportprogramm.

Eine Speed Besteigung. Erst ging es 20 Minuten bis zum Parkplatz der Rauthütte. Zur Rauthütte dann in 33 Minuten und von dort in 1:26 h hinauf zum Ostgipfel der Hohen Munde. Aufstiegszeit ab Parkplatz: 1:59 h und damit SUB 2, was letztlich auch das Ziel war.

Es ist zwar prinzipiell ein normaler Wanderweg, allerdings sind viele felsdurchsetzte Rinnen und Absätze zu begehen, die hinauf fast genauso schnell wie hinab dauern. Trittsicherheit schadet beim Abstieg sicher nicht.

Vom Westgipfel bin ich dann noch zum höheren Ostgipfel (2662 m) marschiert. Der Weg sieht schwieriger aus als er dann ist. Der Abstieg erfolgte auf dem Anstiegsweg.

Ab ca. 2200 Meter fiel mir der Abstieg zusehends schwerer aufgrund muskulärer Ermüdung. Es ging nurmehr sehr langsam runter und zog sich doch gewaltig hin. Hinter der Rauthütte machte ich nochmals Rast und ab da schleppte ich mich wirklich dahin. Insgesamt schwer zu beschreiben dieses Gefühl, aber es hatte was von Slapstickbewegungen, so ein schlackern der Beine weil einfach keine Kontrolle mehr vollständig da war. Ein Gefühl seinen Körper einfach nicht mehr durch die Beine kontrolliert vorwärts bewegen zu können. Faszinierend und doch sehr seltsam. Problematisch in besonderer Weise waren alle Passagen wo das Körpergewicht auf ein Bein verlagert werden musste. Am besten ging es wenn ich das Bein wie versteift als eine Art Käptn Ahab Krüke bewegte.

Auch das ging dann irgendwann zu Ende, als ich wieder im Hotel war. Aber es hat gereicht, obwohl es faktisch auch nur ca. 1700 Höhenmeter waren. Allerdings die absolut erste Bergtour 2016.

Blick vom Ostgipfel Hohe Munde nach Leutasch
Blick vom Ostgipfel Hohe Munde nach Leutasch
Rauthütte mit Hohe Munde
Rauthütte mit Hohe Munde
Roßalm bei Seefeld Tirol
Roßalm bei Seefeld Tirol
nähe Roßalm Seefeld
nähe Roßalm Seefeld
Treue Bergkameraden
Treue Bergkameraden

Am Sonntag haben wir um 11 h den evangelischen Gottesdienst im Seekirchl in Seefeld besucht. Eine wirklich einmalige Geschichte, denn wir 3 hatten einen Privatgottesdienst mit Abendmahl.

Nur der Komfort in den Bänken sollte verbessert werden. Wie dort Menschen ordnungsgemäß und ohne orthopädische Nacharbeitung regelmäßig durchhalten bleibt rätselhaft. Vielleicht ist dies aber auch die Erklärung für den äußerst spärlichen Gottesdienstbesuch?

Nach dem Gottesdienstbesuch haben wir uns mittels Standseilbahn zur Roßalm auf ca. 1700 Meter emporgeschwungen. Dort haben wir mehrere Bänke in unterschiedlichen Sonnen- und Schattenlagen beansprucht. Gedränge gab es keines.

Die Tage verbrachten wir indes allesamt ohne nervtötendes ständiges Geömmel irgendwelcher elektronischer Quitschkisten. Eine Wohltat in solch einer Runde seinen Urlaub verbringen zu dürfen ohne ständig damit belästigt zu werden, dass Tuff oder Schnuff einen Pfff gelassen haben. Oder ein japanisches Zwergkaninchen seit drei Tagen obstipativ erkrankt ist und jetzt kurativ homöopathisch mit Biowasabi von Dr. Sushi behandelt wird.