Klar ist schon mal, das heute Aschermittwoch ist und ich trotzdem nicht in asketisches Einerlei verfallen bin, weder kulinarisch noch sprachlich.
Eigentlich haben die letzen Wochen politisch zwei Themenfelder beherrscht. Guido Westerwelle mit seinen Hartz4 Attacken und die Steuerfluchtdebatte mit einer CD aus der Schweiz.
Zunächst einmal der Ursprung der ganzen Aufregung, den Beitrag von Guido Westerwelle, den er für Welt Online schrieb:
http://www.welt.de/debatte/article6347490/An-die-deutsche-Mittelschicht-denkt-niemand.html
Daraus ein Zitat: „Es scheint in Deutschland nur noch Bezieher von Steuergeld zu geben, aber niemanden, der das alles erarbeitet. Empfänger sind in aller Munde, doch die, die alles bezahlen, finden kaum Beachtung.“
Es erscheint einem tatsächlich so, als hörte man die Rufe all derer viel lauter, die Empfänger von Steuergeldern sind, als Klagen derer, die Tag für Tag früh aufstehen, zur Arbeit gehen und spät abends wieder nach Hause kommen. Also Menschen wie mich! Wir sind es aber, die es Hartz4 Empfängern überhaupt ermöglichen Geld zu erhalten. Denn der Staat druckt das Geld nicht einfach, er hat Einnahmen, also u.a. Steuereinnahmen von mir, die er als Ausgaben, also z.B. Hartz4-Leistungen, an Empfänger weitergibt.
Ich kann nichts verwerfliches daran entdecken zu argumentieren, wer früh aufsteht, arbeitet und abends nach Hause kommt muss mehr netto in der Tasche haben als der, der den ganzen Tag zu Hause ist und nicht arbeitet.
Und es ist wie Bild 7 des o.g. Artikels zeigt nicht so, dass die Mehrzahl der Hartz4 Empfänger jenseits der 55 Jahre ist. Das Gegenteil ist der Fall. Für den unverschuldet arbeitslos gewordenen Menschen Ende 50 in Mecklenburg-Vorpommern hat wohl jeder Verständnis, wenn dieser staatlich unterstützt wird. Und dessen Lebensleistung angemessen honoriert wird.
Kein Verständnis habe ich jedoch für Menschen hier im nahen Umfeld, die ich in letzter Zeit kennenlernen durfte (oder musste). Die erhalten mein Steuergeld, obwohl jung und gesund und Arbeit in naher Umgebung vorhanden ist. Hier könnte ich noch so manche Merkwürdigkeit detailliert berichten.
Zum zweiten Komplex, der Schweizer Steuerfluchts-CD.
Selbstverständlich war ich von Anfang an für den Kauf der CD. Alles andere wäre „die Kleinen hängt man – die Großen lässt man laufen“ gewesen.
Ein Gedanke ging mir schon tagelang im Kopf herum, bevor ihn heute freundlicherweise Hans Leyendecker für mich in passende Worte kleidete:
http://www.sueddeutsche.de/finanzen/237/503460/text/
Ich habe noch nie gehört das z.B. bei Unfall mit Fahrerflucht der Geflüchtete später nicht verurteilt worden wäre, weil er Tage später sich zu der Tat bekannt hat. Auch ein Dieb kann nicht einfach den Artikel ins Kaufhaus zurücktragen und so der Anklage wg. Diebstahl entkommen. Es leuchtet doch nicht ein, weshalb bei Steuerbetrug hier anders zu verfahren ist. Straftat ist Straftrat und ist entsprechend den gesetzlichen Vorgaben zu verfolgen. Ohne Ausnahme.