Heute am 4. Prozesstag fiel das Urteil: 3 Jahre 6 Monate Haft für Uli Hoeneß.
Es ist schon unendlich viel heute dazu geschrieben und gesagt worden, deshalb nur kurz ein Auszug aus einem SZ Kommentar. Danach dann weitere Einlassungen von mir.
Hoeneß wollte reinen Tisch machen. Juristisch ist dies nun erfolgt. Aber eine Frage bleibt unbeantwortet: was ist mit dem Zeitraum der Steuerhinterziehung der bereits verjährt ist?
Um einen katharsischen Prozess vollständig zu durchlaufen und sich die gesellschaftliche Anerkennung zurückzuerobern, bedarf es der Antwort auf die Frage. Denn es macht einen wesentlichen Unterschied wie lange und in etwa wie viel Geld Honeß auch im verjährten Zeitraum hinterzogen hat.
Gedankliches Experiment:
Man bietet einer Person 1 Million Euro unter der Bedingung 2 Jahre in Haft zu gehen. Wieviele würden den Deal annehmen?
Vermutlich sehr sehr viele.
Nun lässt sich vermuten, der Betrag bei Honeß im verjährten Zeitraum ist deutlich höher. Damit relativiert sich die Haftzeit immer mehr. 10 Millionen für 2 Jahre, 20 Millionen…
Und man darf sich die Haft nicht vorstellen wie mit Pritsche und Knäckebrot. Ein Freigang kann ggf. sehr schnell erfolgen. Dann steht morgens ein Chauffeur vom FC vor der Tür, holt ihn ab und bringt ihn abends wieder. Es ist kein Archipel Gulag.
Ein trauriges Spiel hat auch die CSU gespielt. Die Nähe zu Hoeneß war immer bekannt. Es war kein einziger Kommentar zu hören der die unerhöhte Summe der Steuerhinterziehung gegeiselt hat. Von den CSU Polikern, vorneweg Horst Drehofer, die mich Bürger vertreten und mein Steuergeld einnehmen und verwalten wäre hier deutlich mehr Klarheit zu erwarten gewesen. Nichts auch vom fränkischen Finanzminister Söder, der im Fall Hoeneß völlig abgetaucht ist. Allen steuerehrlichen bayerischen Bürgern haben diese Herren einen schlechten Dienst erwießen. Das alles ist peinlich.
Auch der FC Bayern München macht eine schlechte Figur. Ein Präsident im Knast ist untragbar. Bereits seit einem Jahr ist Hoeneß nicht mehr tragbar gewesen. Es ist unvorstellbar das in einem Wirtschaftunternehmen ein Manager bei solchen Vorwürfen auf seinem Sessel kleben bleiben darf. Bis jetzt hat der Vorstand keine Konsequenzen gezogen. Auch das ist peinlich.
Ich fordere die Politik auf, endlich das Instrument der strafbefreienden Selbstanzeige abzuschaffen. Jeder der es noch nicht getan hat sich selbst anzuzeigen kann dies letztmalig am 31.12.2014 tun. Danach ist Ende mit diesem Privileg. Dann wird jeder Steuerhinterzieher behandelt wie jeder Autodieb auch. Dieser mittellalterliche Ablasshandel muss ein Ende haben.